"Fahren wir schon?" M. hat einen leichten Schweißfilm auf der Oberlippe und eine Aufmerksamkeitsspanne von maximal 30 Sekunden. Nach dem Basketballtraining muss ein Wagen, in dem man kein Motorengeräusch hört, ihr vorkommen wie ein Sanatorium. Kein angemessener Ort für eine 15-Jährige auf dem Weg zur besten Freundin. "Der ist ja leiser als ein Epiliergerät", sagt M. und verschwindet hinter einem Vorhang aus langen blonden Nichten-Haaren, während sie irgendwas in ihrer Tasche sucht. "Stimmt doch, oder?"

"Elektroautos wie dieses werden gebaut, damit auch deine Kinder noch Auto fahren können", sage ich, vielleicht eine Spur zu ironisch. Sie fragt: "Müssen deshalb alle so ein Babyface haben? Und müssen wir deshalb jetzt schon auf alles verzichten?" M. hat den Kosmetikspiegel ausgeklappt. Unbeleuchtet. "Das Licht sieht ja aus wie in Bulgarien", sagt sie und zeigt auf die funzelige Deckenleuchte.

Ich sage nicht, was ich alles vermisse: eine Uhr. Eine Außentemperatur-Anzeige. Und Energie. Der Akku des Peugeot iOn leert sich schneller als der meines iPhones (seltsames Kalkül, dieses Modell so zu nennen, als könne man dem Handy einfach ein paar Buchstaben klauen und Richtung Zukunft düsen). 150 Kilometer Reichweite werden versprochen. Das klappt wohl nur in einer idealen Welt ohne Staus und rote Ampeln. (In einer idealen Welt müsste man sich auch dieses Auto leisten können, das es bisher nur zu leasen gibt.) Nach 80 Kilometern hat es angefangen, im Tachodisplay zu blinken, und ich begann meine Stadt aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Wie viele Stromzapfsäulen gibt es? Mehr, als man denkt, aber alle sind reserviert – und keine für Peugeot. Was tun? Zu Hause ein Kabel vom Balkon runterlassen? Ist verboten. Die Verlängerungsschnur würde durchbrennen.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Es blinkt weiter. Ich wäge ab, ob ich Radio oder Heizung einschalten darf. Solange er fährt, ist der iOn immerhin erfreulich agil. M. staunt nicht schlecht, als ich auf der Straße in einem Zug wende. "Dreht ja Pirouetten wie eine Ballerina", sagt sie. Dann schaut sie auf ihr Handy. "Du, schönes Auto. Aber da vorn ist die U-Bahn. Lässt du mich raus?" Wie gesagt: kurze Aufmerksamkeitsspanne. Und ich? Sehe es weiter blinken und fahre, obwohl gerade Wochenende ist, in Richtung Redaktion. In der Tiefgarage gibt es eine stärker abgesicherte Steckdose. Dann nehme ich auch die U-Bahn.

Technische Daten

Motorbauart: Elektromotor; Leistung: 49 kW (67 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 15,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
CO2-Emission (am Fahrzeug): 0 g/km
Durchschnittsverbrauch: ca. 10,7 kWh/100 km
Monatliche Leasingrate: ab 491 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor

In der Datenübersicht wurde der Verbrauch zunächst in der falschen Einheit kW angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.