DIE ZEIT: Herr Hahn, Sie unterrichten Musik an der Theodor-Storm-Schule in Husum. Im Februar wurden Sie von Schülern auf der Internetplattform spickmich.de zum besten Lehrer Deutschlands 2010/11 gewählt. Wie fühlt man sich da?

Jan Hahn: Als ich davon erfahren habe, musste ich lachen. Bester Lehrer Deutschlands – ich fand das übertrieben. Aber natürlich habe ich mich auch gebauchpinselt gefühlt. Meine Schüler sind jedenfalls ausgeflippt vor Freude, als bekannt wurde, dass ich gewonnen hatte.

ZEIT: Was hat sich seitdem für Sie verändert?

Hahn: Inzwischen sehe ich die Auszeichnung und vor allem das, was die Medien daraus gemacht haben, mit gemischten Gefühlen: Viele haben mich als Helden dargestellt, und das kam bei manchen Kollegen nicht so gut an. In einigen Berichten wurde der Eindruck erweckt, alle Lehrer seien Sadisten und hier sei mal einer, der anders ist. Das war mir sehr peinlich gegenüber meinen Kollegen.

ZEIT: Mit Musik hat man es schon leichter als mit Mathe, oder?

Hahn: Mit Musik gelingt es besonders gut, eine gute Gruppenatmosphäre herzustellen, und die ist wichtig, damit man effektiv lernen kann. Wenn wir ein Musikstück proben und aufführen, schweißt das zusammen. Unabhängig davon gehört zu einem gelungenen Unterricht, dass der Lehrer kein Sprechautomat ist, sondern für sein Fach brennt und das Feuer auch bei seinen Schülern entfachen kann.

ZEIT: 210.000 Schüler sollen bundesweit abgestimmt haben. Von allen bewerteten Lehrern bekamen Sie die beste Gesamtnote: eine 1,2. Es gab Kategorien wie »gut vorbereitet« oder »vorbildliches Auftreten«. War das interessant für Sie?

Hahn: Es ist ja nicht so, dass man als Lehrer kein Feedback bekommt. Ich merke auch so, ob die Schüler gern in meinen Unterricht kommen. Außerdem lasse ich mir einmal im Halbjahr Zeugnisse von ihnen schreiben und sehe dadurch, was ich noch verbessern kann. Dabei werden auch Aspekte genannt wie »ist lustig« oder »coole Hose«, aber mir geht es um Hinweise zum Unterricht.

ZEIT: Warum sind Sie denn so beliebt bei Ihren Schülern?

Hahn: Das ist keine Zauberei. Erstens ist es wichtig, dass man seine Schüler mag und anerkennt. Dass man sieht, was sie an Wissen und Fertigkeiten mitbringen, und den Unterricht darauf aufbaut. Zweitens muss man fair und konsequent sein, nur so kann man zu einer Vertrauensperson werden. Eine Herausforderung ist, dass man auch über die Jahre hinweg den Zugang zu den Schülern behält und authentisch bleibt.

ZEIT: Machen Sie sich deswegen Sorgen?

Hahn: Mich besorgt vor allem, dass mir als Lehrer zunehmend die Zeit für gute Arbeit geraubt wird – durch die Pflichtstundenerhöhung, viele Konferenzen und das Umsetzen ständig neuer Schulreformen. Ich bin erst seit zwei Jahren Lehrer und habe meine Stelle gerade auf 80 Prozent reduziert. Viele engagierte Kollegen laufen Gefahr auszubrennen , und das finde ich bitter.