DIE ZEIT: Es ist das erste Mal seit Ihrem Rücktritt vor drei Jahren, dass Sie ein ausführliches Interview geben. Deshalb frage ich Sie: Wie geht es Ihnen?

Samuel Schmid: Mir geht es gut. Ich bin gesund, unternehme Reisen und habe Gebresten, die man halt mit bald 65 Jahren hat. Mit anderen Worten: Ich bin zufrieden.

ZEIT: Wohl kein Bundesrat der jüngeren Geschichte stand derart von Innen wie von Außen unter Druck wie Sie. Haben Sie sich davon erholt?

Schmid: Ich weiß nicht, ob wir mein letztes Amtsjahr als Pars pro Toto nehmen wollen. Ich finde, das wäre ungerecht. Ich hatte ein sehr gutes Präsidialjahr 2005, ich habe alle Abstimmungen gewonnen, ich erlebte immer wieder Störfeuer aus der eigenen Partei, aber meine Arbeit kam nicht ausschließlich unter Druck zustande.

ZEIT: Aber die Angriffe während Ihres letzten Amtsjahres haben Ihnen schon etwas ausgemacht?

Schmid: Natürlich, vor allem der Familie. Selber erlebt man, das geht allen Kollegen gleich, solche Sachen als Wechselbäder. Wenn ich im Volk war, dann spürte ich eine andere Stimmung als morgens bei der Zeitungslektüre. Möglicherweise hat das im Volk zu einer Gegenreaktion geführt. Das Ganze hatte sich zu einer Kampagne verdichtet am 1. August 2008. Da hatte ich in der Ostschweiz in Wittenbach eine Ansprache, das Zelt war sehr gut gefüllt, es gab Standing Ovations. Die Journalisten verstanden die Welt nicht mehr. Am Tag darauf hielt ich eine Rede in einem Dorf im Berner Jura, da wurde ich gleich zum Ehrenbürger ernannt.

ZEIT: Sie haben sich also im Volk erholt von dem, was Sie in den Zeitungen gelesen haben?

Schmid: Man muss auch nicht immer alles lesen. Und ein Teil kann man zuordnen, weil man weiß, aus welcher Küche das kommt. Aber noch heute werde ich auf diese Zeit angesprochen. Auch auf der Fahrt hierhin nach Baden hatte ich zwei solcher Gespräche. Die Leute fragen auf eine sympathische Art, was man macht, wie es geht. Man fühlt sich nach wie vor getragen. Die Kollateralschäden sind nicht derart massiv, wie es sich einzelne Leute gewünscht haben.

ZEIT: Gesundheitlich hat Sie das aber beschädigt?

Schmid: Das ist so. Ich trug gesundheitliche Probleme davon und spüre heute noch gewisse Folgen.

ZEIT: Hatten diese gesundheitlichen Probleme auch mit dem Druck zu tun?

Schmid: Das weiß ich nicht, aber ich habe Probleme mit dem Herzen. Schon im letzten Amtsjahr war ich einmal im Spital, das kam nicht an die Öffentlichkeit. Dies führte schließlich dazu, dass ich fand: Acht Jahre im Amt, das reicht, es gibt noch anderes im Leben.