Irlands Angst

Ein bisschen nationales Pathos hat den Iren noch immer geholfen. Er wolle, versprach Enda Kenny dieser Tage seinem Volk, der Premierminister sein, "der Irlands ökonomische Souveränität zurück erkämpft". Will heißen: Der das Land aus den Kredit-Diktaten der EU und des IWF befreit. Tatsächlich könnte Irland der Phoenix unter den Euro-Pleiteländern werden. Die Wirtschaft wächst (zaghaft), das Haushaltsdefizit schmilzt, und die harten Sparmaßnahmen werden von einer stabilen Regierungskoalition getragen. Der große Risikofaktor des irischen Gesundungsprogramms aber ist die Arbeitslosigkeit von mittlerweile fast 15 Prozent. Sie steigt weiter. Gelingt es nicht, die Jobverluste zu bremsen, könnten sie zusammen mit höheren Steuern und dem Konsumrückgang zu einer Depression führen. Nichts fürchten die Iren mehr; die Erinnerung an ihre Vergangenheit als "Armenhaus Europas" ist noch frisch. Beängstigend viele von ihnen gehen die Wette aufs Gelingen nicht ein. 40.000 Iren verließen in diesem Jahr die Insel, um anderswo ihr Glück zu suchen.