Die Werbung der Commerzbank klingt selbstbewusst. »Wir unterstützen Sie dabei, Ihr Lebenswerk zu erhalten. Regeln Sie Ihre Vermögensnachfolge professionell mit unserer Hilfe.« Mit der Erbschaftsplanung zielt die Bank vor allem auf vermögende Privatkunden des Geschäftsbereichs Wealth Management. »Unsere Mitarbeiter fragen die Kunden, ob sie entsprechende Vorkehrungen getroffen haben«, sagt Frank Heinsohn, Leiter Wealth-Management-Services bei der Commerzbank. Ist ein Kunde interessiert, zieht der Kundenberater einen spezialisierten Nachlassmanager hinzu. Beim Thema Erben geht es in Deutschland um viel Geld . Jedes Jahr werden mehr als 200 Milliarden Euro vererbt, schätzt die Postbank. Trotzdem sind viele Erbschaften nachlässig oder gar nicht vorbereitet. 71 Prozent der Deutschen haben laut Emnid keinen Letzten Willen hinterlegt. Und wer doch ein Testament besitzt, hat oft ein fehlerhaftes. Nur vier Prozent haben laut Deutschem Forum für Erbrecht ihren Nachlass einwandfrei geregelt.

Nach einem Todesfall gehört Streit unter den Hinterbliebenen zum Alltag, hat die Postbank in einer Studie herausgefunden. Bei mehr als jedem sechsten Erbfall fetzen sie sich; übersteigt der Wert des Erbes 100.000 Euro, sogar in jedem vierten Fall. Oft fühlt sich ein Angehöriger benachteiligt und wehrt sich, bisweilen waren die Erben schon vor dem Todesfall zerstritten. Und auch fehlende oder ungültige Testamente sind ein häufiger Streitgrund.

Die Commerzbank ist längst nicht die einzige Bank, die sich deshalb um die Gunst der Erblasser bemüht. Immerhin rechnen 23 Prozent der Deutschen in den kommenden 20 bis 30 Jahren mit einem Erbe, belegt die Postbank-Umfrage. Und selbst viele ältere Bürger besitzen kein Testament, auch wenn ein Letzter Wille hier deutlich weiter verbreitet ist als im Bevölkerungsdurchschnitt: 43 Prozent der über 60-Jährigen haben nicht geregelt, wer ihr Vermögen nach ihrem Tod bekommen soll.

Die meisten Banken und Sparkassen beschäftigen Mitarbeiter, die eine Zusatzausbildung zum »Certified Foundation and Estate Planner« absolviert und sich auf die Nachlassplanung spezialisiert haben. »Inzwischen sind viele kleinere Institute in das Geschäft eingestiegen, darunter auch Sparkassen und Volksbanken«, weiß Wolfgang Reittinger von der Frankfurt School of Finance & Management. So hat auch die Volksbank Stuttgart vor drei Jahren die erste Mitarbeiterin zum Estate Planner ausbilden lassen. »Seither bieten wir Kunden die Nachlassberatung aktiv an«, sagt Dietrich Mang, Leiter des Private Banking der Volksbank. Schließlich schöben viele Wohlhabende die wichtige Entscheidung über ihr Erbe vor sich her. »Selbst Menschen im Alter zwischen 55 und 65 haben sich mit dem Thema oft noch gar nicht beschäftigt«, sagt Mang.