Seit dem 10. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten, das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse, wie wir sie seit Anfang dieses Jahres erleben. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell, einige am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. Diese Woche widmet sich Daniela Danz dem Konsum in der Krise.

Daniela Danz: Alles voll

Und eine Schlange zieht sich durchs Land

und wir stellen uns an

und wir fragen den Vordermann worum er ansteht

und er fragt sich durch bis zum ersten

und der deutet aufs Tor und die Schleusen

und Waren werden gefahren wie Grale

an uns vorbei habt Dank dass ihr sie saht

geht wieder nach Haus seht fern bis ihr

gerufen werdet das sagte die lachende Elster


aber wir waren ja alle dabei

in diesen Jahren des Prassens

und das ist: wir wissen wie ernst es steht

geht nicht weg Leute schlagt doch ans Tor

dass sie uns rufen und brauchen noch

einmal schmeißen wir die Maschinen an

und die Waren gehen durch unsere Hände

und Geld fließt viel Geld Geld in Strömen

bis zu den Knien Geld ja und zum Hals