Dem Zweifel verdanken wir den Ausgang aus unserer selbst verschuldeten Unmündigkeit. Der Zweifel hat daher zu Recht viele Freunde unter den Aufklärern. So gesehen könnten die sogenannten Klimaskeptiker zu Aufklärung und Fortschritt in der Klimawissenschaft beitragen. Doch die Aufklärung preist nicht den Zweifel schlechthin, sondern lobt nur den vernünftigen Zweifel. Wer die Debatte über den Klimawandel verstehen will, sollte die fünf Formen des Zweifels am Klimaschutz kennen. Sie unterscheiden sich erheblich in der Vernünftigkeit ihres Zweifels.

Der in der Öffentlichkeit breit diskutierte Trend- und Ursachenskeptizismus bestreitet, dass sich die globale Mitteltemperatur erhöht hat und weiter erhöhen wird und dass der Mensch durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas und die Abholzung der Wälder dazu beiträgt. Diesem Skeptizismus wurde durch die Klimawissenschaft der Boden entzogen. Der Weltklimarat (IPCC) hat in einem nahezu zwanzigjährigen Indizienprozess gezeigt, dass es den Klimawandel gibt und dass er hauptsächlich vom Menschen verursacht wird. Selbst klimaskeptische Wissenschaftler aus den USA haben das Indizienurteil des IPCC kürzlich nochmals überprüft und bestätigt. Am vom Menschen verursachten Klimawandel gibt es also keinen vernünftigen Zweifel.

Dann gibt es die Klimafolgenskeptiker. Sie bestreiten nicht, dass der Mensch für den Klimawandel hauptsächlich verantwortlich ist, sondern dass die Folgen des Klimawandels bedrohlich sind. Die Folgenskeptiker berufen sich auf die durchschnittlichen Schäden und vernachlässigen die Möglichkeit eines Worst-Case-Szenarios. Dies wäre jedoch so, als würde man die Höhe der Deiche an der Durchschnittshöhe von Fluten orientieren und nicht an der maximalen Höhe der Fluten. Die Wahrnehmung dieser Skeptiker krankt außerdem daran, dass die Schäden ungleich verteilt sind: So treffen Dürren und Überschwemmungen arme Länder besonders hart, da deren Wirtschaft stark von der Landwirtschaft abhängt; reiche Länder können sich bei Hitzewellen Klimaanlagen leisten und haben daher weniger Tote zu beklagen als die Entwicklungsländer.

Die Prioritätenskeptiker knüpfen an die weltweite Armut an. Sie verneinen nicht die Nützlichkeit des Klimaschutzes, halten ihn aber für ineffizient oder gar moralisch bedenklich, weil die Bekämpfung der weltweiten Armut Priorität haben sollte. Statt in den Klimaschutz sollte in die Versorgung mit sauberem Trinkwasser oder in die Bekämpfung von Aids und Malaria investiert werden, weil dabei mit dem gleichen Aufwand mehr Menschenleben gerettet werden könnten.

Dieser Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Armutsbekämpfung ist jedoch konstruiert. Denn zum einen können die Investitionen in eine Energie- und Wasserinfrastruktur so ausgestaltet werden, dass sie gleichzeitig zur Vermeidung von Emissionen beitragen. Zum anderen vernachlässigt diese Sichtweise, dass sich vor allem die armen Länder an einen ungebremsten Klimawandel kaum zu moralisch akzeptablen Kosten anpassen können.

Die vierte Form des Zweifels ist der Dringlichkeitsskeptizismus. Seine Vertreter bestreiten nicht, dass die Emissionen reduziert werden müssen, das sollte jedoch nicht heute, sondern erst morgen getan werden, da dann die Technologien besser und die Einkommen höher wären. Für sie ist die Diktatur der Zukunft gegenüber den heutigen Generationen das Problem: Da die Klimafolgen unsicher seien, riskiere man kostspieligen Klimaschutz, der sich später als obsolet erweisen könnte. Sollten die Klimafolgen heftiger ausfallen als erwartet, gäbe es noch den Rückgriff auf Geo-Engineering. Etwa durch die Einbringung von Aerosolen soll die Strahlungsbilanz der Erde direkt gesteuert werden, ohne über lange Zeit Emissionen reduzieren zu müssen.