Die Frage: Für Sarah und Alois ist ihre Liebe ein zweiter Frühling, den sich beide kaum zu erträumen wagten. Sarah hatte sich nach ihrer Scheidung ganz auf ihren Beruf und ihre Kinder konzentriert. Ihr Ex setzte sich ins Ausland ab und unterstützte sie mit keinem Cent. Alois hingegen ist verwitwet. Solange sie zu zweit sind, genießen sie ihre Beziehung. Aber sobald Sarah mit Alois und seinen beiden Söhnen zusammen ist, gibt es Streit.

Sarahs Töchter sind längst ausgezogen und verdienen ihr eigenes Geld, obwohl sie jünger sind als Alois’ Kinder. Diese liegen dem Vater noch auf der Tasche und plagen ihn mit Projekten, deren Luftschloss-Charakter auf der Hand liegt. Aber Alois wird sauer, wenn Sarah sagt, er müsse strenger sein.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Selbst in unbelasteten Familien ist die Ablösung der erwachsenen Kinder ein mühsamer Prozess. In der Regel atmen beide Seiten auf, wenn er ohne Brüche und Kränkungen abläuft.

Wenn Sarah diese Schwierigkeiten mit ihren Töchtern meistern konnte, macht sie das nicht zur Expertin für Alois’ Söhne. Sie sollte sich davor hüten, so zu tun, als müsste er sich nur ihr unfehlbares Rezept zu Herzen nehmen. Das wäre etwa so hilfreich, wie wenn ein Arzt dem magenkranken Patienten vorschwärmt, wie gut er selbst sein Essen vertragen hat.

Jede Familie ist eine Welt für sich. Alois sollte sich bei Sarah erholen können; mit seinen Söhnen muss er selber fertig werden.