David Frühauf, 1987 in Braunau/Inn geboren, studierte zunächst Sprachkunst in Wien

Was bleibt? – Es war für mich ein Ankommen in einer neuen Stadt, Leipzig, es war eine Art Willkommensgruß, auf Leinwand übertragen: Christa Wolf, Ende Oktober 2010 im Haus des Buches. Sie las aus Die Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud und antwortete geduldig auf die Fragen des Moderators zu Vergangenheit und Gegenwart, zu Leben, Politik und Kunst. Alles, so schien es, stand für sie im Verhältnis zu-, bezog sich aufeinander: Die gesellschaftliche und private Vergangenheit musste stets mitgedacht werden, um die Möglichkeit einer Zukunft eröffnen zu können; ein utopistisches, teilweise zurecht kritisiertes ideologisches Moment, das sich – gerade aufgrund des immanenten Kulturpessimismus – immer wieder aufs Neue in ihren Texten niederschlug.

Ich hatte bis zu dieser Lesung einzig Kein Ort. Nirgends und etwas über ihre Spitzeltätigkeit gelesen, wollte mich durch ihre Stimme ihrem Werk einerseits, der durch sie vermittelten Geschichte der DDR und deren Ende andererseits nähern und blieb in Gedanken doch bei der mühseligen, oft diskutierten Frage nach engagierter, also politischer Literatur und Kunst hängen. Konnte es diese nach all der Ideologiekritik, all der Diskursivierung politischer Interessen noch geben? Was könnten junge AutorInnen bis auf lamentierende Kapitalismus- und sich selbst paraphrasierende Gesellschaftskritik unter ständiger Berufung auf Adorno, Benjamin usw. behaupten, um ernst genommen und nicht zurück auf ihren Schreibschulplatz oder weltfernen Ponyhof verwiesen zu werden? Dass Christa Wolf in der DDR eine Stimme fand, die mit für ihre Zeit stand und ihre Relevanz beibehält, steht außer Frage. Dass es heute andere Mittel sind und sein müssen, die benutzt werden, um auf eine oft problematische Organisation von Gesellschaft zu zielen, darf gleichzeitig nicht außer Acht gelassen werden.