Vielleicht kommen manche Leute tatsächlich mit einer Art Geschäftsidee-Gen auf die Welt. Sie muss es gehabt haben, denn eigentlich stand fest, dass sie nicht gerade auf Rosen gebettet sein würde – ein Einzelkind, das ohne Vater aufwachsen sollte, da dieser noch vor ihrer Geburt im Krieg gefallen war. Die alleinerziehende Mutter fand aber bald eine Stelle als Hausmädchen bei einem Arzt, und im Lauf der Jahre nahm dieser die Rolle eines Ersatzvaters ein. Jedenfalls folgten ihm Mutter und Töchterchen, als er in die Metropole umsiedelte und sich als Geschäftsmann mit einem Handwerk etablierte. Und als sie alt genug war, lehrte er sie in der hauseigenen Werkstatt sein Können – die Basis ihres späteren Erfolgs.

Dass Frauen arbeiten gehen, war ihr demnach von Kindesbeinen an vertraut. Nur so lässt sich ihre für die damalige Zeit erstaunliche Selbstständigkeit erklären. Zwar heiratete sie jung einen Ingenieur, wurde zweimal Mutter. Aber dann entschied sie sich mit Anfang 40, dass es besser sei, dem trunksüchtigen Ehemann den Rücken zu kehren und auszuwandern. Anstatt für die Familie zu sorgen, hatte der um einige Jahre Jüngere das Budget verprasst, auf so einen konnte sie locker verzichten. Und auch der Ersatzpapa hatte zum Schluss einen Berg Schulden hinterlassen.

Was danach für sie begann, klingt ein wenig nach Märchen. Fast wirkte es so, als hätte man in ihrer künftigen Wahlheimat insgeheim lange auf sie und vor allem ihre Schätze gewartet. Exakt 44 hatte sie, sorgsam verpackt, verschiffen lassen; nun packte sie diese wieder aus, stellte sie zur Schau, und die Leute rannten ihr die Türen ein. Schnell hatte sie neue Aufträge in der Tasche, das Geschäft florierte, und das quer durch alle Schichten: "Tausende strömen durch ihre Räume", berichtete ein Zeitgenosse, "Prinzen, Kaufleute, Priester, Gelehrte, Bauern, Schuljungen ... in einem einzigen Gedränge." Sie hatte ihr Erfolgsrezept gefunden, jetzt ging es darum, es konstant auszubauen. Und wieder fasste sie einen für eine Frau ungewöhnlichen Entschluss: Sie ging mit ihrem Angebot auf Tournee. Hoher Aufwand, hohes Risiko – aber ungemein rentabel. Während ihr Exmann, von dem sie sich bald scheiden ließ, endgültig bankrottging, schrieb sie mit ihrem Ein-Frau-Betrieb glänzende schwarze Zahlen.

Im Grunde hatte sie anfangs keine Chance, aber wie man so schön sagt: Sie hat sie genutzt, ihr ganzes Leben lang bis ins nahezu biblische Alter. Weit über 70, verfasste die Frau mit der Nickelbrille auf dem guten Riecher sogar noch eine Autobiografie. Angeblich hat sie sich selber nie den kleinsten Luxus gegönnt, weder teure Klamotten noch eine stattliche Villa. Lieber investierte sie die Gewinne in die Firma, die sie schließlich den zwei Söhnen vererbte. Das Geschäftsidee-Gen halt... Und so entstand ein berühmtes, nach wie vor expandierendes Unternehmen. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 49:

Der Komponist Claudio Monteverdi (1567 bis 1643), Sohn eines Barbiers und Wundarztes, stammte aus der Geigenbauerstadt Cremona. Dort studierte er, sang im Chor der Kathedrale und erhielt seine musikalische Ausbildung. Die 1584 publizierten "Canzonette" waren seine Talentprobe, 1587 folgte das erste seiner acht berühmten Madrigalbücher. Am Hof der Gonzaga in Mantua diente er von 1590 an zuerst als Violaspieler, dann als "Cantore" und von 1601 an als Hofkapellmeister. Seine erste Oper wurde 1607 aufgeführt, Triumphe feierte er mit den Opern "L’Orfeo" und "L’Arianna". 1612 verlor er seine Stelle, ein Jahr später wurde er zum "Maestro di Capella" an San Marco in Venedig ernannt. Die Werke des "konservativen Revolutionärs" überraschen noch heute durch kühne Harmonien und Ausdrucksstärke