Trotz ihrer Bemühungen um sachliche Distanz bleiben viele Zeilen jedoch vom Geist der heroisierenden Polargeschichtsschreibung durchdrungen. »Die Antarktis«, heißt es etwa, »ist ein Land, in dem Helden geboren werden.« Keine Frage: Das schreibende Paar ist allen Abenteurern grundsätzlich zugetan. Über Amundsen fällt kein böses Wort. Scotts schließlich tödliche Organisationsfehler werden zwar benannt, aber Gastautor Ranulph Fiennes, Antarktisdurchquerer und Scott-Biograf, hält Kritikern entgegen: »Um über die Hölle schreiben zu können, ist es hilfreich, wenn man schon mal dort war.« Das Zitat ist typisch für das Harte-Kerle-Image, das im Buch gepflegt wird. Für die jüngste Generation von Antarktisbesuchern, die Touristen nämlich, haben seine Autoren nur Geringschätzung übrig.

Der Reisejournalist Martin Wein sieht das vollkommen anders. »Cool bleiben und ab ins Eis«, rät er im Vorwort zu seinem Reportageband Abenteuer im Eis . Jeder körperlich einigermaßen fitte Mensch könne heute Polarreisen unternehmen. Um Platz auf einem Expeditions-Kreuzfahrtschiff zu finden, seien die Vermögensverhältnisse ohnehin wichtiger als die Kondition. Wein hat auf der Fram , dem Luxusnachbau von Amundsens Schiff selben Namens, die Weichei-Variante genossen: leckere Buffets, einen Fahrstuhl zu den Kabinen, perfekt organisierte Landgänge. Aber er war auch in anderen eisigen Regionen der Welt unterwegs.

Dabei sind Wein durchaus Helden begegnet: Der britische Polarforscher Ernest Shackleton zum Beispiel, dessen Grab er in Südgeorgien besucht. Oder die philippinischen Kellner an Bord der Fram , die selbst Orkane beim Servieren lächelnd ausbalancieren. Im Übrigen hält Wein jedes Pathos fern. Die Geschichte der Polarforschung erzählt er im Zeitraffer, gerne mit schnoddrigen Bemerkungen garniert – vor allem, wenn er von den Pannen diverser Unternehmen berichtet.

Ins Schwärmen bringt ihn dagegen immer wieder die Natur, das große Landschaftskino und seine Bewohner, wie die Belgica antarctica. Diese krabbelnde Zuckmückenart ist das einzige Insekt der Antarktis. Ihre Larven trotzen sowohl Eis als auch wochenlanger Trockenheit und Hitze. Ihr robustes Naturell macht sie womöglich eines Tages, wenn das Eis längst geschmolzen ist, zum Südpol-Helden der Zukunft.