Große Freude! Der Vermieter hat für seine frisch renovierte Wohnung in der Christophstraße in Köln die passenden Mieter gefunden. Es handelt sich um einen Rechtsanwalt mit Familie. Die Vorgespräche laufen gut. »Ich war begeistert. Der Mann hatte ein phänomenales Auftreten.« Die Tatsache, dass der Anwalt seine Kanzlei ganz in der Nähe hat, bestärkt den Vermieter in seinem Gefühl. Er überlässt ihm die knapp 90 Quadratmeter große Wohnung für gut 1000 Euro. Mitte Juli 2011 ist der Umzug.

Schon im August hat der Vermieter ein Problem, und seitdem reißen die Probleme nicht ab. »Die Miete für den halben Juli kam pünktlich. Die Miete für August kam erst Mitte September, die für September Mitte Oktober. Seitdem ist nichts mehr gekommen«, sagt er. Auf die vereinbarte Kaution in Höhe von über 2200 Euro wartet er bislang vergeblich. Der Vermieter hat das Mietverhältnis wegen unpünktlicher Zahlung gekündigt. Am 20. November hätten die säumigen Mieter ausziehen sollen. Sind sie aber nicht. Der Vermieter bereitet nun eine Räumungsklage vor.

Damit kennt sich der beklagte Kölner Rechtsanwalt, der das Vertrauen des Vermieters im Nu erobert hatte, bestens aus. So selbstsicher und gewandt der Endvierziger auftritt, so ungern scheint er zu zahlen. Er ist ein perfekter Blender, und der Vermieter ist nur der letzte in einer Reihe von Vertragspartnern, die sich von ihm betrogen fühlen. Hört man sich unter Betroffenen um, haben sie den stets gut gekleideten Rechtsanwalt als »supernett« erlebt, als einen Mann, der »sich sehr gut verkaufen kann«, als »zuvorkommend und höflich«. Das ist womöglich auch der Grund, warum ihn niemand bat, seine Bonität nachzuweisen.

Wer ihn verklagt, den verklagt er

Guter Rat wäre nicht teuer gewesen. Um nicht das Opfer eines Bauchgefühls zu werden, raten Grundeigentümerverbände dringend zu einer Checkliste, die »ohne Ansehen der Person« abgearbeitet werden sollte. Pro Jahr soll es in Deutschland bis zu 15.000 Mieter geben, die nicht zahlen.

Indes ist der Anwalt, der nicht zahlt, in Köln alles andere als ein Unbekannter. Er musste beziehungsweise muss sich sowohl beim Amtsgericht Leverkusen als auch beim Amtsgericht Köln in Zivilrechtsprozessen als Beklagter verantworten. Es geht unter anderem um Räumungsklagen, Miet- und Leasingforderungen. Der Anwalt sieht diesen Klagen nicht regungslos zu, er schlägt zurück, zum Beispiel mit einer Schadensersatzforderung über 200.000 Euro wegen Verleumdung. Als einen Grund für ausbleibende Mietzahlungen nennt er zum Beispiel Mängel in der Wohnung. Er reicht ungedeckte Schecks ein. Klagen begegnet er mit Widerklagen. In Prozessen vertritt er sich oft selbst. Seine Honorare rechnet er häufig gegen die Forderungen an ihn auf.

Der Anwalt ist seit Ende 1995 Mitglied der Rechtsanwaltskammer Köln. Im Mai 2011 hat ihm das Amtsgericht die Berufsausübung bis zur Klärung der Sachlage untersagt. Der Vorwurf lautet allerdings nicht auf Schuldenmacherei, sondern auf Untreue. Als Testamentsvollstrecker soll er in zwei Fällen Erben um ihr Geld gebracht haben. Es geht um Summen in sechsstelliger Höhe.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Köln sind gegen den Anwalt mehrere Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes auf Betrug und des Vorwurfs der Untreue anhängig. Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigt, dass zudem wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das vorläufige Berufsverbot ermittelt wird.