DIE ZEIT: Herr Aiwanger, nächste Woche treten Sie in Berlin mit Hans-Olaf Henkel auf, der für die Gründung einer neuen, europakritischen Partei wirbt. Macht er jetzt bei Ihnen mit?

Hubert Aiwanger: Ich schließe nicht aus, dass er länger mit uns zusammenarbeitet. Es ist aber nicht unbedingt geplant, dass er bei uns kandidiert, obwohl ich das auch nicht ausschließen würde. Er ist einfach ein freier Geist, der sieht, dass sich die Dinge in Deutschland vor allem in der Europapolitik nicht zum Guten entwickeln. Wir trauen uns gemeinsam, noch einmal laut über das System nachzudenken.

ZEIT: Sie wollen 2013 zur Bundestagswahl antreten. Sind die Freien Wähler eine bürgerliche Protestpartei?

Aiwanger: Nein, wir sind eine Verantwortungspartei. Wir sind in den Kommunen seit Jahrzehnten in die Politik eingebunden und haben zahlreiche Bürgermeister und Landräte in ganz Bayern, aber auch bundesweit. Wir sind seit drei Jahren im Bayerischen Landtag. Damit sind wir in der Tagespolitik verortet und keine Protestler.

ZEIT: Sie geben aber schon zu, dass zwischen kommunaler und Landes- oder Bundesebene ein kleiner Unterschied ist?

Aiwanger: Wer weiß, was in den Kommunen los ist, ist besser vorbereitet auf die große Politik als Parteien wie die FDP, die fast keine kommunale Verankerung hat. Sie will auf der großen Bühne das Rad drehen, hat aber keine Ahnung, was im Land los ist.

ZEIT: Was sind Ihre bundespolitischen Ziele?

Aiwanger: Wir wollen große Konzernspenden an Parteien verbieten und nehmen auch selbst keine an, um unabhängig zu sein. Wir sind für mehr Volksbeteiligung. In der Europapolitik etwa sehen wir Bedarf für einen bundesweiten Volksentscheid, weil massiv in die Haushaltsrechte der Länder eingegriffen wird. Wir wollen außerdem eine mittelstandsfreundliche Wirtschaftspolitik, die nicht einseitig auf Großprojekte setzt. Gesundheitswesen, Verkehrsnetze, Abfall- und Trinkwasser dürfen nicht privatisiert werden.

ZEIT: Das klingt ja fast links.

Aiwanger: Das stört uns nicht. Alle Welt sieht inzwischen, dass Großstrukturen kleine und mittlere Unternehmen an die Wand drängen. Von linker Politik unterscheidet uns, dass wir sehr stark eigentumsorientiert sind. Wir sind zum Beispiel für mehr Vermieterschutz und kritisieren Mietnomadentum.

ZEIT: Sie wollen eine Volksabstimmung zu Europa. Welche Frage würden Sie konkret stellen?

Aiwanger: Wie weit darf sich Deutschland beim Euro-Rettungsschirm aus dem Fenster lehnen? Da ist aus meiner Sicht die Grenze überschritten.

ZEIT: Das ist aber keine Frage, die man mit Ja oder Nein beantworten kann, also einer Volksabstimmung kaum zugänglich.

Aiwanger: Das kann man schon auf den Punkt bringen: Sind Sie der Meinung, dass der derzeit gesteckte Finanzrahmen ausgegeben werden darf oder nicht?