Es ist schon geradezu bizarr. Anstatt die Folgen des menschengemachten Klimawandels zu fürchten, ängstigt sich die Menschheit davor, die Erderwärmung wirksam zu bekämpfen. Anders lässt sich kaum deuten, worauf sich die Abgesandten aus fast 200 Staaten nach mehr als zweiwöchiger Debatte im südafrikanischen Durban geeinigt haben: Nämlich darauf, in den nächsten vier Jahren weiter miteinander zu verhandeln, um spätestens 2015 ein rechtsverbindliches Abkommen für alle zu erzielen.

Ist das wirklich ein Fortschritt? Oder doch wieder nur eine wohlfeile Absichtserklärung – nach zwanzig Jahren ziemlich fruchtlosen Feilschens um den Klimaschutz?

Tatsächlich ist Skepsis angebracht, nach all den Fußtritten, die Beschlüsse zum Klimaschutz bisher schon abbekommen haben. Sogar gegen den Wortlaut und Geist der Klimakonvention von 1992 wird fortlaufend verstoßen, sonst hätte es gar nicht so weit kommen können, dass der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid (CO₂) immer neue Rekordwerte erreicht. Erst recht sind viele Beschlüsse diverser Klimagipfel einfach missachtet worden, vorneweg der 2007 beschlossene Bali Action Plan. Er enthält die Verpflichtung, sich binnen zwei Jahren auf einen Konsens über langfristig wirksamen Klimaschutz zu einigen. Von wegen Konsens. Zwei Jahre später endete die Klimakonferenz in Kopenhagen mit einem Desaster. So wertlos können Absichtserklärungen sein.

Besonders zu denken gibt, dass sich die Delegierten damals, in Kopenhagen, nicht einmal auf einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag hätten einigen sollen, sondern nur auf ein agreed outcome , auf eine gemeinsame Sicht der Dinge. Selbst das haben sie nicht zustande gebracht. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung wird deutlich, warum der Glaube, ein weltweiter Klimaschutzvertrag sei mit dem Beschluss von Durban nun endlich greifbar nah, vor allem eins ist: Wunschdenken. Schließlich lautet die Mission von jetzt an nicht nur, sich auf ein agreed outcome zu einigen, sondern mindestens auf ein agreed outcome with legal force – auf ein vereinbartes Ergebnis mit juristischer Kraft, das für die Fidschi-Inseln ebenso rechtsverbindlich sein soll wie für die USA und China . Womöglich ist das ein großer Verhandlungserfolg. Aber entsprechend groß werden fortan auch die Widerstände sein, zumal in der Sache in Durban so gut wie nichts entschieden worden ist. Kommt es ganz übel, dann liegt die Latte nun so hoch, dass sich alle Beteiligten ungehindert darunter hindurchbewegen können.

Die Schwierigkeiten liegen nicht am Format der Konferenzen, die tatsächlich oft eher das Ambiente von Kirchentagen verströmen als das von Arbeitstreffen. Dass aber auch weniger Kirmes keine Verhandlungserfolge garantiert, zeigt das Schicksal des von dem früheren US-Präsidenten George W. Bush ins Leben gerufenen Major Economies Meeting. Das inzwischen in Major Economies Forum umgetaufte Gremium vereint die siebzehn größten Emittenten, darunter China, die USA und die EU. Herausgekommen ist aus den Treffen in vergleichsweise kleinem Kreis trotzdem wenig – jedenfalls nichts, was das Wachstum der CO₂-Emissionen gebrochen hat.

Nein, die internationale Klimaschutzpolitik ist nicht deshalb ein Trauerspiel, weil zu viele am Verhandlungstisch sitzen und »mitschwätzen«. Was ihr fehlt, ist ein Anreizsystem, das aus Klimaschutzlasten Klimaschutzvorteile werden lässt. Was könnte denn Zauderer und Zögerer unter dem derzeitigen Regime dazu animieren, ihren Widerstand aufzugeben? Nichts, abgesehen davon, dass niemand gern als Ökosünder am Pranger steht. Aber sonst? Irgendwelche Vorteile? Nachteile? Anreize, positive oder negative? Nichts dergleichen. Solange das so bleibt, droht der globalen Klimaschutzpolitik Siechtum. Als hätte es noch eines Beweises dafür bedurft, hat die kanadische Regierung ihn mit ihrem Austritt aus dem Kyoto-Protokoll gerade geliefert. Die Kündigung sorgt zwar für Empörung. Tatsächlich zeigt der Vorgang aber nur den Konstruktionsfehler der bisherigen Politik.