Wenn der Winter anbricht, diese von allen guten Geistern verlassene Jahreszeit, friert W. für gewöhnlich. Gerade in der Anfangsphase wird W. zur Mimose. Läuft überall herum, schließt die Fenster, dreht die Heizungen auf und beschwert sich, dass der Sommer noch ein gutes halbes Jahr entfernt ist. Am Morgen fällt es ihm unsagbar schwer, aus dem Bett zu kommen. Warum soll er aufstehen? Um sieben ist es noch dunkel und kalt.

Mit so einer Miene kannst du nicht herumlaufen, sagt seine Frau, geschweige denn zur Arbeit gehen. Deine armen Kollegen. Versuch doch heute mal, der Gute-Laune-W. zu sein. Also tappt er in die Kälte, den Mantelkragen nach oben, die Mundwinkel nach unten gezogen.

Einen neuen Wagen zum Testen haben sie ihm hingestellt. Ein Turnschuh auf Rädern, denkt er im ersten Augenblick und rümpft die Nase. Wie soll er da reinpassen? Sie müssen wissen: W. ist groß, knapp 1,90 Meter. Auf die leichte Schulter kann man ihn auch nicht nehmen. W. steigt ein. Startet den Motor, drückt das Gaspedal. Plötzlich passiert etwas Ungewöhnliches: Sein Gesicht hellt sich auf. Erst nur ein kleines bisschen, aber mit zunehmendem Kippeln des Gaspedals entfaltet sich ein Strahlen auf W.s Gesicht. Was ist das, fragt er sich. Was ist das für ein Wunderwerk? Er parkt aus, fährt auf die Straße. Langsam beginnt die Sache Spaß zu machen. In diesem Auto fühlt sich W. wie ein Rennfahrer. Was für ein Antrieb. W. kurvt durch die Straßen. Er lässt den Kulturradiosender links liegen und legt Hip-Hop ein. W. lacht und wippt mit dem Kopf. Raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn. Full speed. Der Auspuffklang gewinnt an Schärfe. Er betrachtet die Nadeln in den rundlichen Armaturen. Sie schauen sympathisch zurück. Alles im Mini Coupé schreit plötzlich nach Liebe. Liebe zu einem Auto. W. kann es nicht glauben. Hätte ihn heute Morgen jemand gefragt, er hätte sein Monatssalär darauf gewettet, schlecht gelaunt zu bleiben. Und nun das.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

W. geht zurück zur Arbeit. Stößt mit Schwung die Tür zum Büro auf, grüßt überschwänglich die Damen am Empfang, schreibt fröhliche E-Mails und vergisst sogar, sich mit seiner Lieblingsrivalin zu streiten. Als er am Abend zu seinem gestreiften Auto geht, winken ihm Menschen auf der Straße zu. W. winkt zurück und dreht an dem Rädchen für die Innentemperatur.

Er stellt sie auf 27 Grad.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 155 kW (211 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 6,4 s
Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h
CO2-Emission: 165 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter
Basispreis: 31.150 Euro

Andreas Wellnitz ist Berater des ZEITmagazins.