Der Industriekaufmann machte in der Karriereberatung keinen Hehl daraus, dass er sich von Narren umgeben fühlte. "Meine Kollegen sind Trantüten", schimpfte er. Der Chef? "Hat diese Bezeichnung nicht verdient! Er führt nicht, sondern lässt uns treiben." Die Geschäftsführung? "Völlig weltfremd. Die müssten einfach kapieren, wie der Markt funktioniert." Die Kunden? "Abgehoben! Die wollen immer weniger bezahlen, wundern sich aber über sinkende Qualität."

Nur ein Vernünftiger ragte aus diesem Narrenschiff: er selbst. Mich beschlich ein Verdacht: "Wie war das eigentlich in Ihrer letzten Firma?" Der Kaufmann rollte mit den Augen: "Dasselbe in Grün!" Aha. Immer wieder kämpft er, ein Don Quichotte der Vernunft, mit Unfähigen, Trantüten, Taugenichtsen. Immer wieder nimmt er die richtige Auffahrt zur Autobahn – und alle anderen brausen ihm als Geisterfahrer entgegen. Sartre hätte gesagt: "Die Hölle, das sind die anderen!"

Aber stimmt es nicht, dass sich in der Arbeitswelt viele Nichtskönner herumtreiben, auch in der Chefetage? Mit Sicherheit! Aber wenn ein und derselbe Mensch sich in unterschiedlichen Firmen immer wieder von Unfähigen umzingelt fühlt, sollte er sich fragen: Was hat das mit mir zu tun ?

Warum hat er, dieses Weltgenie, sich überhaupt für diesen Arbeitsplatz entschieden – wenn hier doch die Unfähigkeit auf jede Stirn geschrieben steht? Warum gelingt es ihm, dem doch angeblich alles gelingt, einfach nicht, in seiner Firma die Trägen auf Trab, die Denkfaulen zum Denken, die Praxisfernen zur Praxis zu bringen? Und warum heuert er, dem doch alle Türen offenstehen müssten, nicht endlich in einer Firma auf seinem Niveau an?

Wer nur Narren um sich herum sieht, trägt die größte Narrenkappe selbst. Offenbar ist er auf die Schwächen der anderen fixiert, statt ihre Stärken zu sehen. Offenbar redet er die anderen klein, um sich selber größer zu fühlen. Und offenbar belässt er es beim Klagen, statt die Dinge zu verändern. Diese Haltung ist bequem, selbstgefällig, aber nicht zuletzt gefährlich: Geisterfahrer verursachen Zusammenstöße. Auch bei der Arbeit. Oft zieht man sie durch Kündigung aus dem Verkehr.

Mein dringender Rat an den Industriekaufmann: Wer mit dem Talent zum kritischen Denken gesegnet ist, sollte es vor allem auf den einzigen Menschen anwenden, den er aus eigener Kraft verändern kann: auf sich selbst!