Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hätte es wissen müssen: Eltern lassen sich nicht gern bevormunden, wenn es um ihre Kinder geht. Hat ihm das nicht seine grüne Vorgängerin Christa Goetsch deutlich vor Augen geführt? Schließlich war sie am Protest jener gescheitert, denen sie am Ende nicht mehr zuhören wollte. Nun braut sich in der Hansestadt schon wieder bitterböser Elternärger zusammen. Es geht um neue Pläne zur Nachmittagsbetreuung von Schulkindern. Der Senat will zum Schuljahr 2013/14 alle Horte, die bisher durch die Kitas organisiert waren, aufgeben und die Betreuung allein an den Grundschulen organisieren. GBS nennt sich die Idee: Ganztägige Betreuung und Bildung an Schulen.

Vor der Wahl hatte die SPD den Eltern zwar versichert, es seien auch beide Systeme nebeneinander vorstellbar. Jetzt aber heißt es: Weg mit dem flexiblen und ganzjährig zuverlässigen Hort. Her mit der Mogelpackung »Ganztagsschule«. Denn 23 (!) Kinder sollen im neuen System von einer Erzieherin betreut werden. Irgendwo zwischen Klassenzimmer und Turnhalle. Auf jeden Fall bis 16 Uhr. Die volle Anwesenheit an drei Tagen in der Woche ist Pflicht. Es überrascht nicht, dass Eltern dabei völlig aus der Fassung geraten. Wie kann es sein, dass sie dafür bestraft werden, arbeiten zu gehen und nicht zu denen zu gehören, die mittags um eins vor dem Schultor stehen, um ihre Kinder abzuholen? Die Bildungsangebote könnten nur mit einer verbindlichen Teilnehmerzahl verlässlich geplant werden, sagt die Behörde. Angesichts der bereits laufenden Pilotprojekte, bei denen Minijobber mit den Kindern auf Schulhöfen Fangen spielen und sich der Bildungsanspruch in der Sandkiste versteckt, klingt das nach blankem Hohn. Natürlich sind Ganztagsschulen die längst fällige Antwort auf die Probleme berufstätiger Eltern, aber wenn sie zur Zwangsbeglückung werden sollen, muss das für alle Kinder gelten. So viel Mut muss sein. Zweiklassensysteme gibt es schon genug.