DIE ZEIT: Ihre blau-weißen Miet-Smarts gibt es bald in zehn Städten. Wie kommen sie an?

Robert Henrich: Prima kommen sie an. Wir sind 2009 in Ulm gestartet, haben dort schon mehr als 20.000 Kunden. Car2go gibt es auch in Austin/Texas, Hamburg, Vancouver, Amsterdam, San Diego. In diesem Monat ging es mit 500 Fahrzeugen in Wien los. Wir haben gerade das 50.000. Mitglied gefeiert und die millionste Miete!

ZEIT: Wie sieht der klassische Nutzer aus?

Henrich: Anfangs waren es vor allem junge Leute, die das ausprobieren wollten. Inzwischen sind alle Bevölkerungsgruppen vertreten: Studenten, Berufstätige, Selbstständige, Kleinunternehmer, Senioren. Für viele Menschen besitzt das eigene Auto als Statussymbol nicht mehr die Bedeutung wie früher einmal. Carsharing wird zum Lifestyle.

ZEIT: Was erhofft sich Daimler davon?

Henrich: Ein neues und profitables Geschäftsmodell. Carsharing ist nicht bloß ein Hype, sondern ein gesellschaftlicher Trend . Die Menschen möchten mobil sein, vielleicht noch mehr als früher, aber nicht mehr zwingend ein eigenes Fahrzeug besitzen. Wir setzen uns an die Spitze dieses Trends und wollen Marktführer werden.

ZEIT: Gräbt sich ein Autohersteller mit Carsharing nicht das eigene Wasser ab?

Henrich: Nein, überhaupt nicht. Car2go ist keine Konkurrenz zu unserem klassischen Geschäft. Ein Neuwagenkäufer in Deutschland ist im Schnitt älter als 50 Jahre. Mit den Miet-Smarts sprechen wir neue Kundengruppen an, gerade junge Städter, die wir sonst nur schwer erreichen. Mit car2go können wir sie vielleicht sogar an unsere Marke binden. Wenn sie später mal aufs Land ziehen, eine Familie gründen und sich doch ein Auto zulegen, dann entscheiden sie sich hoffentlich für einen Mercedes.

ZEIT: Die Automiete soll also nur den späteren Verkauf Ihrer A- und E-Klassen fördern?

Henrich: Das wäre ein wünschenswerter Nebeneffekt, steht aber nicht im Vordergrund. Car2go soll sich bis 2014 rechnen und einen eigenen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.

ZEIT: Sie bewerben den Miet-Smart als »das erste eigene öffentliche Verkehrsmittel«. Eine Kampfansage an Bus und Bahn!

Henrich: Nein, wir sehen uns als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Wir wollen Teil eines integrierten Mobilitätskonzepts sein, das Bus, Bahn, Rad und Auto sinnvoll verbindet.

ZEIT: Wie verändert Carsharing die Beziehung zu Ihren Kunden?

Henrich: Aus Käufern werden Nutzer. Sie tauschen sich im Internet aus und diskutieren über das Angebot. Daraus erwächst eine starke emotionale Bindung zur Marke. Wir klinken uns in diesen Dialog ein, fragen nach der Meinung unserer Kunden, lernen, worauf es ihnen ankommt. Das sind extrem wertvolle Informationen für uns. Ein derart enger und regelmäßiger Kontakt lässt sich beim einmaligen Kauf eines Neuwagens gar nicht herstellen.

ZEIT: Wie bewegen wir uns in zehn Jahren fort?

Henrich: Ich bin überzeugt, dass Carsharing vor allem in den Städten einen viel breiteren Raum einnehmen wird als heute. Alles wird sich um die Frage drehen, wie die verschiedenen Verkehrsmittel vernetzt werden können – das ist die Zukunft.