Drei Autominuten nördlich von Flensburg beginnt eine sonderbare Welt. Es gibt dort keine Euro-Krise. Die Politiker streiten sich im Wahlkampf um die Frage, an wie vielen Tagen im Jahr die Kindergärten des Landes geschlossen sein dürfen. Völlig einig sind sich derweil alle, wenn es um Krieg geht. Sämtliche Parlamentarier, tatsächlich 100 Prozent, stimmten dafür, dass ihre Luftwaffe Libyen bombardieren solle. Die Menschen des Landes gelten laut Umfragen als glücklichste Menschen der Welt, und obwohl sie sich einen großzügigen Sozialstaat leisten, gehen die Staatsanleihen des Landes an den Märkten besser weg als die Deutschlands.

Als wäre also nicht alles gut in Dänemark, sagt die Regierung plötzlich, dass sie »mehr Europa« will. Nicht nur dem neuen Vertrag zur Haushaltsdisziplin will sich Dänemark seit dem Brüsseler Gipfel vergangene Woche als einer von neun Nicht-Euro-Staaten anschließen. Das Königreich will überhaupt – ganz anders als dasjenige am anderen Ende der Nordsee – seine bisherige nordisch-skeptische Sonderstellung aufgeben.

Der Entschluss, näher an Brüssel-Europa heranzurücken, sagt die Wirtschaftsministerin Margrethe Vestager, sei nicht aus blindem Vertrauen gefallen. Sondern »wegen der Lösungen, die die Gemeinschaft bietet«.

Die Dänen sollen über Opt-outs abstimmen

Vestager gehört zur neuen linksliberalen Koalition, die Dänemark seit September regiert. Deren erste Amtshandlung war es, die Grenzkontrollen abzuschaffen, die die konservative Vorgängerregierung eingerichtet hatte. Ihre erste Auslandsreise unternahm die neue sozialdemokratische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt demonstrativ nach Brüssel. Auch im Koalitionsvertrag ist der Richtungswechsel niedergelegt.

Er sieht vor, dass die Dänen innerhalb der nächsten vier Jahre über das Ende von zwei ihrer drei Opt-outs abstimmen sollen, also jener Abstinenzregelungen, die sich das Land noch im Maastricht-Jahr 1992 gegenüber dem EU-Apparat ausbedungen hatte.

Die Abschaffung der Grenzkontrollen markierte es schon : Als Erstes soll das Volk darüber abstimmen, die Außenseiterstellung gegenüber der europäischen Innen- und Justizpolitik aufzugeben. »Grenzkontrollen bringen es einfach nicht«, stellt Wirtschaftsministerin Vestager fest. »Was gegen Schmuggel, organisierte Kriminalität und Drogengeschäfte hilft, ist eine clevere Zusammenarbeit mit Polizei und Steuerbehörden anderer Länder.« Genau die gewährleistet ein zentrales EU-Management besser als ein Wirrwarr bilateraler Abkommen und Telefonnummern von den Niederlanden bis Rumänien, mit denen sich dänische Zöllner bisher herumschlagen müssen.