Bevor wir zu einer Testfahrt in die norddeutsche Tiefebene aufbrechen, muss ich erst mal in den Wagen kommen. Der Einstieg geschieht über den hohen Gitterkäfig in der Tür: "Linker Fuß zuerst", sagt Erik Brandenburg, "dann das rechte Bein, festhalten am Gitterohr, bloß nicht an der Tür, Anschnallen ist überflüssig!" Er gibt schon Gas, während er mit Sponsoren, Zulieferern und seiner Praxis telefoniert, nebenher aus einem Pappbecher Caffè Latte schlürft.

Wir brettern im heulenden, fauchenden, grummelnden und elefantös brüllenden 911er durch Kiesgruben mit monströsen Steigungen und voller Mondkrater, durch abgelegene Waldregionen mit kläffenden Dackeln, in denen uns jeder Förster sofort abschießen würde, und machen noch einen Ausflug an die Ostsee, in deren Nähe Brandenburg in riesigen Scheunen weitere 911er Porsche und Motocross-Motorräder eingelagert hat. Er ist Sammler und Jäger. Aus einem Waffenschrank nimmt er sich ein Jagdgewehr und eine Magnum 357: "Die müssten eigentlich mit nach Afrika, sicher ist sicher. Eine internationale Waffenlizenz hab ich schon mal besorgt", sagt er.

Rebellen und Terroristen scheinen jetzt wieder in Mauretanien ihr Unwesen zu treiben; deswegen hatte man die Rallye Dakar in den letzten Jahren in Südamerika ausgetragen. Und wer weiß schon, was die Veranstalter des nach Weihnachten beginnenden Rennens dagegen unternehmen?

Als wir abseits befestigter Pisten im Holsteinischen durch hohes Schilfgras schlingern, das an die Scheiben klatscht, ist nichts mehr zu sehen, aber das macht dem Fahrer gar nichts. Plötzlich riecht es angekokelt, er saugt es ein und jubelt: "Ach, wie ich das liebe! Wie geil das riecht! Echte Natur!" Es ist das am heißen Motor verglühende Schilfgras: "Das fällt beim Fahren wieder ab."

Auf einer Landstraße mit hohem Kantstein will er die Vorteile der Spezialreifen mit Stahleinlage zeigen und steuert mit 80 Sachen im spitzen Winkel über den Bordstein, über den Fußweg, und schwupp sind wir wieder auf der Straße: "Jedes andere Auto hätte sich überschlagen oder wäre umgekippt", erklärt der Offroad-Meister, "aber diese Reifen schlucken alles, einfach gigantisch!"

An der Autobahnzufahrt nach Lübeck nimmt er die Abkürzung quer über eine Böschung, kurvt wie ein Großwildjäger auf Safari zwischen Büschen und Bäumen hindurch und ist dann auch schon auf der rechten Fahrspur – das ging ja flott! Als wir die Rundfahrt schließlich vor seinem Haus im Hamburger Nordosten beenden, streift sich der Doktor lange Lederhandschuhe über, setzt sich in einer riesigen Voliere seinen prächtigen Adler auf die Schulter und steckt ihn dann in eine hölzerne Kiste, die zentimetergenau in den Porsche passt. "Jetzt fahr ich noch mit Odin in den Wald, er will noch eine Stunde fliegen, und ich gehe spazieren", verkündet er strahlend. "Er braucht den Ausflug in die Natur genauso dringend wie ich."

Solcherart sind die Erfahrungen mit dem Hamburger Facharzt, und nicht jeder möchte sie machen. Brandenburg, 45, ist kein Mann für Tempo 30. Er steht kurz vor dem Start zur 5.500 Kilometer langen Africa Eco Race. Vom marokkanischen Nador geht es am 27. Dezember los in Richtung Dakar, Ankunft am 8. Januar. Sein Porsche ist ein 36 Jahre alter Wagen, umgebaut zu einem Safari-Typ, wie er 1978 für die East Africa Rallye in Kenia entwickelt wurde: um 31 Zentimeter höhergelegt, Aluminiumboden, verstärktes Fahrwerk.