Uns gehen die Ärzte aus – zumindest auf dem Land. Ob das neue Versorgungsstrukturgesetz Mediziner in die Provinz locken kann, ist höchst fraglich. Unklar ist auch, ob mehr Geld deutsche Ärzte an der Flucht in Richtung Norwegen, Schweiz oder Großbritannien hindern würde.

In dieser prekären Lage reichen seit vergangener Woche einige Exilanten ihren Landsleuten telemedizinisch die Hand. In London betreiben sie eine deutschsprachige Online-Arztpraxis namens »DrEd« . Nach EU-Recht ist das erlaubt. Im Gegensatz zu Mr. Ed, dem sprechenden Pferd aus der Sechziger-Jahre-Fernsehserie, setzen die Netzärzte nicht so sehr aufs persönliche Gespräch. Ihre Ferndiagnosen stellen sie anhand von Onlinefragebögen und Digitalfotos. Es geht um Pikantes wie Erektionsstörungen und Geschlechtskrankheiten. Mehr als tausend vorwiegend männliche Patienten haben sich bereits gemeldet.

Hiesige Institutionen protestieren – vom Bundesgesundheitsministerium über die Kassenärztliche Bundesvereinigung bis hin zur Bundesärztekammer. Ein Arzt, heißt es, müsse seine Patienten mindestens einmal gesehen haben. Das schreibt die Berufsordnung vor – und das ist im Prinzip auch richtig. Doch was, wenn ein Arzt wissenschaftlich nicht mehr up to date ist? Wenn er sich seine Patienten ohnehin nicht mehr genau ansieht? Oder wenn es – wie auf dem Land – keinen Arzt mehr gibt? Dann kann eine fundierte Ferndiagnose die bessere Alternative sein. Schon berichten die DrEd-Doktoren: 20 Prozent der an sie gerichteten Anfragen ließen erkennen, dass die Hausärzte ihrer Patienten deren Blutdruck nicht ordentlich eingestellt hätten.

Darf der deutsche Vis-à-vis-Arzt darauf hoffen, dass die Netzkonkurrenz wieder verschwindet? Vielleicht. Sollte Großbritannien wegen der Finanzkrise aus der EU austreten, würde auch der Draht zu DrEd gekappt.