Als Rettung für Europa wurde wiederholt vorgeschlagen, gemeinsame Staatsanleihen aller Länder der Euro-Zone einzuführen – sogenannte Euro-Bonds. Das wird in Berlin als ein für Deutschland untragbares Risiko abgelehnt. Abgesehen davon wären sie seit November keine wirkliche Lösung mehr gewesen. Denn der Euro-Rettungsfonds EFSF, hinter dem sechs Länder mit Toprating stehen, kann inzwischen nur noch zu Zinsen von etwa 4,5 Prozent Mittel am Kapitalmarkt aufnehmen. Das sind mehr als zwei Prozentpunkte über dem Satz für Bundesanleihen. So sehr misstraut der Markt dem Toprating der hinter dem EFSF stehenden Länder wie etwa Deutschland, Frankreich oder Österreich. Die viel diskutierten Euro-Anleihen, hinter denen alle 17 Länder der Euro-Zone stünden, bekämen ein noch schwächeres Rating und würden wohl nur zu einem Zins von etwa 6 Prozent verkäuflich sein. Das wäre aber kein Beitrag zur Lösung der Frage, wie man die ganz große Mehrzahl solider Euro-Staaten zu vernünftigen Konditionen finanzieren kann.

Man muss sich vor Augen führen, dass die Euro-Zone mit einer Schuldenquote von 85 Prozent, einer Relation von Schulden zu Einkommen bei den privaten Haushalten von 107 Prozent und einer Defizitquote von gut 6 Prozent eigentlich besser dasteht als die USA. Trotzdem zahlen die Amerikaner niedrigere Zinssätze. Gefragt ist eine Lösung, die letztlich zu ähnlichen Sätzen führt.

Häufig wird als Rettungsoption auf die Europäische Zentralbank (EZB) verwiesen: Diese solle doch in großem Umfang Anleihen der Krisenländer aufkaufen. Dieser Weg wird von deutscher Seite nicht mitgetragen. Es besteht die Angst, dass die EZB damit einen Inflationsimpuls setzt. Zudem werden durch den Ankauf von Anleihen schwacher Länder hohe Risiken in die EZB-Bilanz gelegt. Bei einem Staatskonkurs wäre mit riesigen Wertverlusten zu rechnen. Über die dann von allen EZB-Eignerländern zu leistenden Eigenkapitalnachschüsse erfolgte faktisch eine Umverteilung von Deutschland und anderen soliden Ländern zugunsten der Krisenländer. Eine solche Transferunion via EZB ist politisch nicht gewünscht.

Es gibt eine bessere Lösung. Sie sieht auf den ersten Blick aus wie die schon abgehakten Euro-Bonds. Der strategische Ansatzpunkt ist aber anders. Die EZB soll Euro-Anleihen auf den Markt bringen und damit im Wesentlichen einen Tausch in Gang setzen: EZB-Anleihen werden emittiert, um nationale Anleihen anzukaufen. Dadurch würde das Euro-Zinsniveau nach unten geschleust. Wegen der Natur der EZB sind ihre Anleihen automatisch gemeinschaftliche Anleihen. Denn die EZB gehört ja den Euro-Ländern. Auch die Zentralbanken in Korea oder China legen nationale Anleihen auf.

Der Hauptzweck der Emission von EZB-Anleihen wäre, die nationalen Staatsanleihen anzukaufen – nicht nur von Krisenländern – beziehungsweise vorhandene nationale Anleihen bis zu einer Grenze in einheitliche EZB-Anleihen umzutauschen. Dadurch entstünde eine doppelt wohltuende Wirkung: Es stellt sich ein einheitlicher niedriger Zinssatz ein, was die Wirtschaft beflügelt, fast alle Staaten haushaltsmäßig entlastet und Zeit für Strukturreformen gibt.

Stellt man sich vor, dass nationale Anleihen in Höhe von etwa 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in EZB-Anleihen umgetauscht werden – bei Ländern mit nicht mehr als 60 Prozent Schuldenquote auch bis zu 60 Prozent –, dann entwickelte sich ein liquider Euro-Anleihenmarkt. Hinter ihm stünde eine einzigartige Institution: Die Quelle letzter Liquidität, auf Englisch lender of last resort – eben die Europäische Zentralbank. Diese Anbindung würde in den Kapitalmärkten für Urvertrauen sorgen. Dies ist ein unschlagbares Argument für EZB-Euro-Anleihen. Die Zinsen würden wie bei amerikanischen Staatsanleihen bei zwei bis drei Prozent liegen. Das ist der Kern einer wirklichen Euro-Stabilisierung. Wenn die Politik nicht umgehend diesen Weg einschlägt, wird die Währungsunion zerfallen.