Es klang nach einem fantastischen Investment. Mit Frodo, Gandalf und Sauron wollten Anleger aus ganz Deutschland Geld verdienen – und nebenbei noch Steuern sparen. Doch daraus wird nichts: Im November teilten die Finanzbehörden mit, dass sie dem Filmfonds Hannover Leasing 114 die Steuervorteile größtenteils aberkennen. Mehrere Hundert Privatinvestoren, die im Jahr 2000 den dritten Teil des Kino-Epos Herr der Ringe mitfinanziert hatten, sollen nun meist fünfstellige Summen nachzahlen.

Auch bei Dutzenden weiteren Fonds hat der Fiskus in den vergangenen Monaten Steuervorteile gestrichen und den Anlegern die Rendite verhagelt. Betroffen sind mindestens 72.000 Sparer, die zwischen 1997 und 2005 mehrere Milliarden Euro in Filmproduktionen gesteckt haben – vor allem deshalb, weil sie dank einer damals großzügigen Filmförderung ihre komplette Investitionssumme steuermindernd von ihren Einkünften abziehen durften.

Viele Betroffene fordern nun Schadensersatz und haben Anwälte eingeschaltet. Doch wen sollen sie verklagen? Ob Fondsinitiatoren oder Finanzvermittler eine Schuld trifft, ist ungewiss. Juristen streiten, ob die bevorteilten Anlagemodelle mit damaligem Steuerrecht in Einklang waren oder nicht. Fonds wähnen die Finanzämter im Unrecht und hoffen, dass diese vor Gericht gestoppt werden.

»Wir werden gewinnen«, sagt Friedrich Wilhelm Patt, Chef des Fondsanbieters Hannover Leasing. Doch bis der Bundesfinanzhof in letzter Instanz entscheidet, wird noch viel Zeit ins Land gehen – Zeit, die ein Großteil der Anleger nicht hat. Denn wenn sie den Vertrag für ihre Fondsbeteiligung vor dem 1. Januar 2002 unterschrieben haben, verfallen ihre Ansprüche auf Schadensersatz am 2. Januar 2012 um 24 Uhr. Normalerweise würde die Frist an Silvester enden, aber da der 31. Dezember ein Samstag und der 1. Januar ein Feiertag ist, verlängert sie sich um zwei Tage.

Bevor die Schuldfrage geklärt ist, müssen Anleger also Klage einreichen oder eine Schlichtungsstelle anrufen, die die Verjährung vorläufig unterbricht. Sonst haben sie hinterher keine Chance mehr, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Verjährung trifft nicht nur Filmfonds-Anleger. Auch Hunderttausende Sparer, die vor 2002 in langfristigen Anlagemodellen wie Lebensversicherungen , Investmentfonds, Immobilien- oder Schiffsbeteiligungen investiert haben, stehen unter Zeitdruck. »In vielen Fällen verjähren Ansprüche, ohne dass die Betroffenen überhaupt ahnen, dass es Probleme bei ihrer Kapitalanlage gibt«, warnt der Berliner Anlegeranwalt Timo Gansel.

Das liegt an der sogenannten Schuldrechtsreform, die vor zehn Jahren in Kraft trat: Am 1. Januar 2002 führte die Bundesregierung neue Fristen zur Regelverjährung ein. Demnach verjähren Schadensersatzansprüche in der Regel nach drei Jahren. Ist der Anleger aber völlig ahnungslos, dass mit seinem Investment irgendetwas schiefläuft, kann er Ansprüche auch noch zehn Jahre später gültig machen. Das Fatale daran: »Diese kenntnisunabhängige Frist beginnt bereits am Tag der Vertragsunterschrift«, sagt Udo Brinkmöller, Partner der Kanzlei BMS Rechtsanwälte in Düsseldorf. »Das kann zu der misslichen Situation führen, dass Ansprüche verfallen, bevor die kenntnisabhängige Regelverjährung überhaupt angelaufen ist.«

Zehn Jahre nach der Schuldrechtsreform greift diese Vorschrift nun zum ersten Mal: Von 2012 an verfallen nahezu täglich Ansprüche bei Kapitalanlagen, die im Lauf des Jahres 2002 gezeichnet wurden. Außerdem – und das ist der Grund für die schlagartige Massenverjährung – verfallen zum Jahreswechsel 2011/12 auch sämtliche Ansprüche, die noch aus der Zeit davor stammen. Vor der Reform galt eine Verjährungfrist von 30 Jahren. Bei der Schuldrechtsreform legte die Bundesregierung fest, dass all diese Ansprüche binnen zehn Jahren verfallen. Das passiert nun genau zum anstehenden Jahreswechsel. Und es trifft auch Sparer, die in den neunziger Jahren, angetrieben von Einheitseuphorie und hohen Steuervorteilen, in Schrottimmobilien investierten. Die Hoffnung auf Schadensersatz ist zum neuen Jahr futsch, zumindest für jene, die bis dahin nicht aktiv werden.