Ein vorweihnachtlicher Gruß von der privaten Krankenversicherung ? Nein, wahrscheinlich enthält der Umschlag im Briefkasten die Ankündigung einer »Beitragsanpassung« für das kommende Jahr. Damit ist natürlich eine Erhöhung gemeint, und etliche Versicherungsgesellschaften dürften ihren Kunden in diesen Tagen die adventliche Stimmung vermiesen.

Vor allem jüngere Neukunden werden für ihre Policen künftig weitaus mehr zahlen müssen. Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich sind bei den sogenannten Einsteigertarifen keine Seltenheit, schätzt das Analysehaus Franke und Bornberg aus Hannover. Für zahlreiche Versicherungsgesellschaften ist das gleichbedeutend mit einer Kapitulation. Mit ihren erst vor Kurzem eingeführten Billigsttarifen wollten sie die Illusion aufrechterhalten, wonach privat Krankenversicherte nicht nur schneller und besser behandelt würden als Mitglieder der gesetzlichen Kassen, sondern gleichzeitig auch noch Geld sparten. Wobei schon rechnerisch kaum nachvollziehbar ist, wieso man günstiger wegkommen soll (bei den Beiträgen), wenn man freiwillig mehr ausgibt (bei den Ärztehonoraren).

Allein der Begriff des Einsteigertarifs ist purer Euphemismus. Als ob Versicherte in Einsteiger, Fortgeschrittene oder Experten einzuteilen wären. Die Kategorien lauten allenfalls gesund oder krank, jung oder alt, arm oder reich. Und vielleicht gibt es noch dumm oder schlau – so mancher jedenfalls, der sich beim Wechsel von der gesetzlichen zur privaten Kasse sehr schlau vorkam, steht jetzt dumm da. Der Rückweg ist weitgehend versperrt, und die Beiträge steigen.

Zugegeben: Für viele kleine Selbstständige waren Billigtarife der privaten Anbieter oft die einzige Möglichkeit, sich überhaupt zu versichern. Für sie sind die aktuellen Erhöhungen ein wirkliches Drama. Etliche Gutverdiener indes, die sich auf dem Höhepunkt ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit aus der gesetzlichen Solidargemeinschaft verabschiedet haben, bekommen nun die Quittung. Und es wird nicht die letzte sein.

Private wie gesetzliche Krankenversicherungen haben nämlich ganz ähnliche Probleme. Kein Tarifzaubertrick kann darüber hinwegtäuschen, dass die Menschen in Deutschland zunehmend älter werden und damit öfter zum Arzt müssen, während zugleich die Kosten für medizinische Hilfe tendenziell steigen. Auch junge und gesunde Kunden werden irgendwann alt und krank. Gute Risiken werden zu schlechten, so heißt das im Versicherungsdeutsch, und je älter eine Gesellschaft wird, desto mehr schlechte Risiken gibt es zwangsläufig für die Krankenversicherer. Die Beiträge werden also weiter steigen, und die Assekuranzen wissen das längst. Ihren Kunden teilen sie das aber bloß häppchenweise mit: postalisch, jedes Jahr, und immer zur Vorweihnachtszeit.