Früher, als Klassenkampf noch Spaß machte, hieß es: Fresst die Reichen! Mittlerweile, vermutlich inspiriert durch die Nutztierhaltung, ist man einen Schritt weiter. Nun wollen die Roten Geldsäcke bloß melken. Immer wenn den Sozialdemokraten die Ideen ausgehen – das ist eigentlich fast immer der Fall –, erinnern sie sich ihrer glorreichen Vergangenheit.

Damals fuchtelten die Kapitalisten mit dicken Zigarren, hatten Zylinder auf und waren ebenso fett wie "urböse", wie die jugendliche Parteimanagerin es wohl ausdrücken würde. Heute ist es ein wenig nebulos, was man sich unter einem Reichen vorstellen darf, also einigten sich die Strategen auf die Bezeichnung Millionär. Das ist plakativ, klingt nach viel und doch nach nichts.

Man weiß nicht einmal, wie viele es sind und vor allem, ob sie ihr Geld ehrlich verdient haben – oder wohl doch eher nicht. Jedenfalls sollen sie bluten. Das aber rettet weder Budget noch Umfragewerte. Wie wär's deshalb mit einer Kampagne gegen die Armen? Armut ist ebenfalls äußerst relativ. Sind es die Armen im Geiste oder jene mit armseligem Geldbörsel? Bei beiden Definitionen will sich niemand angesprochen fühlen. Die Armen zu schröpfen bringt dem Etat auch wenig, ist aber im Sinne der Solidarität durchaus gerechtfertigt.

Da es vermutlich wesentlich mehr Arme als Millionäre gibt, müsste dort eigentlich viel mehr zu holen sein. Zumal man den Mittellosen ja auch vorwerfen kann, dass sie nur untätig in ihren Substandardwohnungen in den Tag hineinleben. Diese Strategie wurde aber leider schon vom konservativen Regierungspartner besetzt. In diesem Wettkampf der schlechtesten Köpfe bleibt der SPÖ nun nur die Chance, beide Ideen zu kombinieren. Also: Nieder mit den armen Millionären!

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