DIE ZEIT: Herr Appel, was findet Ihre Frau besonders gut an Ihnen?

Frank Appel: Meine Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

ZEIT: Und was finden Ihre Mitarbeiter besonders gut an Ihnen?

Appel: Neben all dem, was sie sicher auch gelegentlich zu kritisieren haben: meine Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

ZEIT: Dass Mitarbeitern so etwas als Erstes auffällt, versteht man. Aber Ihrer Ehefrau?

Appel: Ich kenne meine Frau seit 25 Jahren. Fundamental für eine lange Beziehung ist, dass man sich aufeinander verlassen und dem anderen ehrlich sagen kann, wie man sich fühlt.

ZEIT: Meinen Sie, dass Appel zu Hause und Appel in der Post ein und derselbe ist?

Appel: Da gebe ich mir wirklich große Mühe. Wer erfolgreich eine Organisation führen will, sollte in allen Lebenslagen derselbe sein. Ich gehe nicht aus dem Haus und wechsle meine Haut.

ZEIT: Sie führen seit fast vier Jahren die Deutsche Post, mit der jeder Deutsche etwas verbindet – nicht aber mit dem Menschen Frank Appel.

Appel: Ich will gar nicht zu sehr im Rampenlicht stehen. Mein Job hat eine dienende Funktion. Der Erfolg des Unternehmens kommt vor allem durch die Mitarbeiter und Führungskräfte.

ZEIT: Sind Sie austauschbar?

Appel: Wenn Sie mich fragen, was meinen Erfolg ausmacht, dann ist das erstens die Auswahl der richtigen Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Und zweitens Glück.

ZEIT: Reden wir über Glück.

Appel: Ich hatte vor allem das Glück, tolle Eltern gehabt zu haben. Als Neurobiologe weiß ich: Was in den ersten drei Lebensjahren passiert, bereitet uns aufs Leben vor. Das wird total unterschätzt.

ZEIT: Und im Beruf?

Appel: Zwei Tage vor dem Bankrott von Lehman Brothers haben wir die Postbank verkauft – reines Glück! Wir hatten eine Aufsichtsratssitzung an jenem Freitag, und der eine Chefverhandler stand kurz vor der Pensionierung, für die andere war es der letzte Tag vor ihrem Mutterschutz. Ich habe den beiden potenziellen Käufern gesagt: Entweder wir haben am 12. September einen Deal, oder wir haben gar keinen Deal. Keiner ahnte, dass Lehman Brothers am Sonntag pleitegehen würde, sonst hätte die Deutsche Bank die Transaktion nicht gemacht. Hätten wir da nicht verkauft, würde ich heute nicht hier sitzen.

ZEIT: Sicher?

Appel: Ja, denn dann hätte ich nie verkauft. Und ich wüsste heute nicht, wie wir als Industrieunternehmen die enorm gestiegenen Kapitalanforderungen an Banken stemmen sollten.