Seit dem 10. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten, das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse, wie wir sie seit Anfang dieses Jahres erleben. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell, einige am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. Diese Woche widmet sich Hendrik Rost der modernen Kommunikation und Michael Lentz der Weltwahrnehmung.

Hendrik Rost: Ode auf das Smartphone

"Woher weiß man, ob jemand ein iPhone hat?
                                        Er zeigt es einem."

Der Arbeitstag ist lang

und es spielt damit, dass jemand

anrufen könnte.

Unsere Sinne sind erweitert

um seine berührungsempfindliche Realität –

als letzte Grenze die Akkus.

Es kann aufgerüstet werden,

die Revolte als App,

aber es erklärt keinen Krieg,

der nicht längst die Dinge bebildert:

Despoten geraten global unters Volk.

Es lebt von Infos und Mauscheleien:

Daumen rauf, Daumen runter.

Ein jeder schuftet hart

für so viel Naivität,

und wir kehren zurück

in höchste Auflösung.

Was wir wollen,

wird gespeichert auf Vorrat.

Wenn wir Nachts endlich einnicken,

liefert es Bestellungen

ans Universum.