Da ich immer nur wenige Stunden am Stück schlafe, kann ich sehr gut im Flugzeug, in der Garderobe oder im Taxi schlafen. Völlige Dunkelheit empfinde ich als schrecklich und beängstigend, ich kann daher nicht im Dunkeln einschlafen. Leider scheint der Mond nicht immer. Möglich, dass ich zum Einschlafen und Träumen eine Art Orientierung benötige. Glücklicherweise falle ich sehr schnell in den Tiefschlaf. Ich habe sehr intensive Träume und erinnere mich meistens sehr gut an sie.

Im Traum kann ich mich nicht belügen. Wir können uns nicht verbieten zu träumen, die Träume passieren uns einfach, sie gehören zu uns wie das Atmen. Mein Traum-Ich erscheint mir oft überraschend und fremd, trotzdem gehört es zu mir. Manchmal macht es mir Angst, oder ich wundere mich über seinen Mut oder schäme mich vor mir selbst.

In meinen Träumen bin ich eigentlich nie allein. Die Menschen, denen ich im Wachen begegnet bin, die Lebenden und die Toten, bevölkern auch meine Träume. Es geschieht häufig, dass meine verstorbene Mutter in meinen Träumen wieder lebt, wir miteinander lachen und alltägliche Dinge tun, das ist wunderschön, ich weine Freudentränen. Nach dem Aufwachen spüre ich sie auf meinem Gesicht. Auch andere Menschen, denen ich einmal sehr nahe war, tauchen in meinen Träumen auf, Expartner, Freunde, Kollegen. Am häufigsten aber mein Mann und meine Kinder.

Neben meinem Bett liegen ein Block und ein Stift, leider schreibe ich meine Träume trotzdem zu selten auf. Ich habe häufig das Bedürfnis, meine Träume mit anderen zu teilen, und konfrontiere die Menschen, die in einem Traum eine Rolle spielten, mit ihm. Das ist oft nicht einfach: Der Satz "Ich habe von dir geträumt" kann Verunsicherung oder Neugier auslösen. Meine erotischen Träume behalte ich meistens für mich, aus dem schamhaften Verschweigen entsteht ein wunderbares Geheimnis. Es ist ja nur ein Traum! Auch mein Beruf findet häufig den Weg in meine Träume. Und umgekehrt: Mit dem wunderbaren Regisseur Detlev Buck drehe ich gerade die 3-D-Verfilmung des Romans Die Vermessung der Welt . Diese dreidimensionalen Filmbilder haben für mich dieselbe Suggestionskraft wie ein Traum.

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Oft spüre ich im Traum mein vor Lampenfieber klopfendes Herz: Ich bin im Burgtheater, allein in der Versenkung der Unterbühne, und weiß nicht mehr weiter. Ich habe die Orientierung verloren, finde den Weg nach oben auf die Bühne nicht, das Publikum wartet auf mich. Aber solche Angstträume entlasten und stärken mich für meine nächste Vorstellung. Sie sind für mich das beste Mittel, mit meinem Lampenfieber, mit meinem Perfektionismus und der Angst vor dem Misslingen umzugehen. Wenn ich aus einem erschreckenden, erschütternden Traum aufwache, dann habe ich das Gefühl, überlebt zu haben. Ich bin dem Schrecken entronnen. Je mehr ich über meine Träume nachdenke, die schönen und die erschreckenden, desto näher bin ich mir selbst.

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