Michael Michalsky isst im Borchardt in Berlin

Nur wenn ich mich selbst belohnen will, gehe ich mal allein essen. Und nur ins Borchardt. Da wird mir nie langweilig, es gibt viel zu sehen – und ich kenne die Menschen, weil ich seit sechs Jahren hingehe. Natürlich verlange ich an so einem Abend meinen Lieblingstisch – ein kleiner Vierer im inneren Rund, hinten rechts. Der ist bequem, weil ich eine kleine Eckbank habe, und ich sehe gut, wer kommt oder geht.

Modedesigner Michael Michalsky

Ich rufe nach meinem Lieblingskellner, entweder nach Linus oder Jan, je nachdem, wer arbeitet. Beide reden so schön Berlinerisch. Bei ihnen bestelle ich meine Belohnung: ein französisches Spezi, das ist eine Orangina mit Cola. Trinke ich sonst nicht, weil sie zu viel Zucker hat. Für einen besonderen Anlass mache ich eine Ausnahme. Parallel nehme ich eine Flasche Wasser mit Kohlensäure, ein Glas Champagner und als Vorspeise eine Portion Kaviar. Vorher habe ich angerufen, damit die Küche Blini zubereitet, kleine Buchweizenpfannkuchen. Die stehen nicht auf der Karte, aber ohne esse ich den Kaviar nicht, deshalb der Anruf.

Ich habe Zeitschriften und eine Schere dabei, blättere durch die Magazine und schneide Bilder oder Artikel heraus, die ich interessant finde. Herausreißen finde ich schäbig. Das iPhone liegt die ganze Zeit einsatzbereit auf dem Tisch, damit ich meinen Kumpel und Geschäftspartner Volker per SMS unterrichten kann, wer da ist, wer nicht gut aussieht und wer sich danebenbenimmt. Das Schöne am Borchi ist ja die Mischung: dröge Politiker, Szenemenschen, Touristen, Alte, Junge, Heteros und Schwule. Und es ist dabei völlig informell. Ich war auch schon mal im Jogginganzug nach dem Sport da.

Der Chef, der Roland, kommt dann zu mir an den Tisch. Er ist einer der am besten gekleideten Männer der Stadt, pflegt einen klassischen Look mit einem Twist: Anzüge, nie von der Stange, handgemachte und hochwertige Kleidung. Wir plaudern, bis der Hauptgang kommt: Steak-Tatar. Das lasse ich mir vom Kellner durchmischen, mit extra viel Zwiebeln, dann noch mal kurz anbraten und obendrauf drei Spiegeleier. Ich liebe es, wenn ich das Essen anschneide und sich Eigelb und Fleisch vermischen. Dazu trinke ich einen Weißwein, einen Riesling von Robert Weil. Während der ganzen Zeit ist es schön laut, wie in einem tollen Restaurant in London oder Paris. Das liegt an den hohen Decken, es ist so eine Art Grundrauschen, da kann ich mich gar nicht allein fühlen. Es gibt ja Lokale, in denen das einzige Geräusch das Besteckklappern vom Nachbartisch ist. Das wäre gar nichts für mich.

Michael Michalsky , 44, Modedesigner.
Borchardt, Französische Str. 47, Berlin, Tel. 030/81 886230