ZEITmagazin: Wie kam es zu dem Entschluss, ich breche alle Brücken ab und gehe zur Fremdenlegion – jener berühmt-berüchtigten Truppe internationaler Freiwilliger, die zur französischen Armee gehört?

Legionär: Die Idee ist lange gereift. Zwei Tage bevor ich nach Paris gefahren bin, habe ich mir die Fahrkarte geholt und mit mir gekämpft. Die Entscheidung, dort zu bleiben, stand nicht felsenfest. Die Chance, von der Fremdenlegion akzeptiert zu werden, ist nicht groß, nur jeder zehnte Bewerber wird genommen.

ZEITmagazin: Haben Sie das allein mit sich ausgemacht?

Legionär: Komplett mit mir selber. Ich habe niemandem gesagt, dass ich nach Frankreich gehe. Ich habe eine Pro-und-Kontra-Liste aufgestellt und dachte, wenn es nicht klappt, dann war es halt ein schönes Wochenende in Paris. Leider Gottes war ich nicht so gut informiert, wie ich glaubte. So kam es dazu, dass ich vier Monate lang komplett verschwunden war.

ZEITmagazin: Was heißt das?

Legionär: Zum Aufnahmeritual der Legion gehört es, dass einem der Kontakt nach außen komplett versperrt wird: kein Telefon, kein Internet, nichts. Und da ich niemanden informiert hatte, galt ich vier Monate lang als unauffindbar. Wie alle Bewerber in Paris ging ich zum berühmten Fort de Nogent. Man wird in ein Büro geführt, wo man einen neuen Namen bekommt und seine Dienstnummer. Dort wird einem alles weggenommen, der Ausweis, alle Papiere. Dann ging es nach Aubagne bei Marseille , da werden medizinische und psychologische Tests gemacht. Und es wird geklärt, ob man ein Straftäter ist. Die Institution, die das klärt, heißt im Jargon Gestapo.

ZEITmagazin: Gestapo, wie im Nationalsozialismus?

Legionär: Nur anders betont: Géstapó, genau.

ZEITmagazin: Was stand eigentlich auf Ihrer Positivliste?

Legionär: Die Erfahrung. Das Abenteuer. Versuchen, mich mir selbst zu beweisen.

ZEITmagazin: Kennen Sie den Gedanken: bei null anfangen – mal sehen, ob ich es schaffe?

Legionär: Es ging sehr stark darum, bei null anzufangen. Sich klar zu werden, was man psychisch, physisch in der Lage ist zu leisten.

ZEITmagazin: Wann wussten Sie, es gibt kein Zurück ?

Legionär: Auf der Fahrt nach Castelnaudary zur Grundausbildung. Ab dann ist man Soldat, man wird eingekleidet, der Umgangston wird härter. Du darfst zwei, drei persönliche Dinge mitnehmen, dann geht’s los. Die Ausbildung ist sehr hart. Nach der ersten Woche ist man so erledigt, dass man es kaum noch schafft, Gedanken an Privates aufrechtzuerhalten. Die Ausbilder schaffen es mit einer gewissen Methodik, einem das Denken zu nehmen. Man funktioniert nur noch.