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Die Trinkhalle (das ist der Oberbegriff) siecht gerade dahin, weil Supermärkte heute oft bis in die Nacht hinein geöffnet haben. Nicht schade um die Siechenden, werden viele denken, dort trafen sich eh nur die Freunde des Zu-viel-Alkohols.

Wie ungerecht, wurden die Trinkhallen doch Ende des 19. Jahrhunderts erfunden, um gerade keinen Alkohol zu trinken, sondern Mineralwasser. Die Arbeiter in den Stahlhütten damals fanden bis dahin Bier und Schnaps als Grundgetränk ganz schick. Zu Hause kam aus den Leitungen nur ungenießbares Wasser, sodass die Trinkhalle so etwas war wie das Baden-Baden der Bergleute und Industriearbeiter.

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Im Süden, weniger industrialisiert, kannte man nur den Kiosk. Auch dort gibt es längst Bier und Cola zu kaufen, aber das war nie das Gleiche, weil, wer vorbeikam, nicht blieb und trank, sondern zahlte und ging.

Dank der Trinkhalle, jenem Wesen zwischen Kneipe und Tante-Emma-Laden, konnte sich, wer wollte, wunderbar selbst betrügen: »Ich geh nur kurz eine Milch holen.«

Recherche: Tin Fischer