Es könnte alles so einfach sein. Vielversprechend bricht das neue Jahr an und wartet auf nichts anderes, als ausgekostet zu werden – champagnerbeschwipst, Hand in Hand schlendernd. Doch irgendwie klappt es nicht. Einer kneift. Der junge Mann von heute feiert nicht trunken vor Glück mit seiner neuen Liebsten – er steht abseits und fröstelt. Verkopft, gehemmt, unsicher, nervös und ängstlich ist er, melancholisch und ratlos. Er hat seine Rolle verloren.
Schuld an seiner jungmännlichen Identitätskrise ist, wie immer, die Gesellschaft. Sie war es schließlich, die verlangte, dass sich der Mann (natürlich der junge) verstärkt neue Attribute zulegen sollte. Einfühlsam, reflektiert, rücksichtsvoll und bedacht, gerne auch einmal: schwach sollte er sein. Den Startschuss dazu lieferte 1984 – der junge Mann spielte damals noch auf der Krabbeldecke – Herbert Grönemeyers Frage "Wann ist ein Mann ein Mann?" Es war diese Melodie, die den jungen Mann seine Adoleszenz hindurch begleitete, pünktlich zum Abitur sang Grönemeyer dann auch schon nicht mehr von Männern und Frauen, sondern nur noch, in bezaubernder Melancholie, wie der junge Mann fand, vom "Menschen".