Pilar del Olmo versteht die ganze Aufregung nicht. »Die Schulden unserer öffentlichen Unternehmen machen doch nur 0,7 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts aus. Im Mittel aller Regionen sind es 1,4 Prozent«, sagt die Finanzministerin der Region Kastilien-León in Spaniens Norden trotzig. Im Übrigen sei der Großteil der insgesamt 395 Millionen Euro an Verlusten auf die Firma ADE Parques zurückzuführen, die für Kastilien-León Industriegebiete entwickle. Ja, die Regionalregierung habe die Verschuldung genehmigt. Schließlich habe ADE Parques weiter in die Fertigstellung jener Industriegebiete investieren müssen, die noch inmitten des spanischen Wirtschaftsbooms aus der Taufe gehoben wurden, rechtfertigt sich del Olmo.

Doch der Boom ist seit gut drei Jahren vorbei, und das Problem ist, dass ADE Parques nur eine von inzwischen Tausenden Firmen in regionaler Obhut ist, deren Verluste nicht in den jeweiligen Haushalten auftauchen. Spaniens autonome Regionen sind in etwa mit den Bundesländern in Deutschland zu vergleichen, sie haben allerdings noch weiter reichende Rechte.

Die öffentlichen Unternehmen waren bisher ein beliebtes Mittel, die tatsächliche finanzielle Situation zumindest für eine Weile zu verschleiern. Jetzt steckt Spanien in der Schuldenklemme, ja, das Land hat sich sogar zu einer ernsthaften Bedrohung für die Stabilität der Euro-Zone ausgewachsen. Die konservative Regierung, die seit Dezember vergangenen Jahres im Amt ist , will nun die ihrer Meinung nach Hauptschuldigen für die Misere in die Pflicht nehmen: die Regionen.

Allein in den vergangenen drei Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs in Spanien wurden, das hat eine aktuelle Studie ergeben, fast 500 öffentliche Firmen in den Regionen neu gegründet. Die Gesamtschulden von insgesamt gut 2.600 Unternehmen belaufen sich mittlerweile auf knapp 15,5 Milliarden Euro, wie die Unternehmensberatung Russel Bedford auf Basis von Daten der spanischen Zentralbank aus dem dritten Quartal 2011 berechnete.

Das tatsächliche Ausmaß sei jedoch viel größer , warnt die Ökonomin María Gómez Agustín: »Der Zentralbank liegen nur Daten vor, die die Regionen preisgeben. Es gibt aber eine völlig unbekannte Zahl von Firmen, die sich per Definition am Markt orientieren, also den Großteil ihrer Einnahmen auf dem freien Markt bestreiten und damit nicht als öffentliche Unternehmen gemeldet werden.«

Bekannt ist dieses Gebaren der Regionen in der Grauzone der Haushaltsplanung schon lange. Gómez Agustín schrieb erstmals 1999 ein Buch darüber. 2010 aktualisierte sie ihre Informationen und fand deutliche Worte: »Die Gründung öffentlicher Unternehmen durch die autonomen Regionen wurde und wird systematisch dazu verwendet, die per Gesetz vorgeschriebenen Defizitgrenzen zu umgehen. Das stellt einen klaren Gesetzesbruch dar.« Die sogenannte Orientierung am Markt sei vielfach Auslegungssache, kritisiert Gómez Agustín.

So fand sie zum Beispiel ein Kasino in Kantabrien oder eine Fleischkonservenfabrik auf den Balearen . Von öffentlichem Interesse sei da wenig zu erkennen. Damals wurde sie angefeindet. Heute argumentiert der neue Wirtschaftsminister Luis de Guindos ähnlich.