DIE ZEIT: Herr Minister, in dieser Woche beginnt wieder mal die Euro-Rettung .

Peter Ramsauer: Das wirkt wirklich wie ein Déja-vu. Der Patient hatte Weihnachtsurlaub, saß zu Hause und muss jetzt wieder in die Klinik...

ZEIT: ...nun soll der Euro gerettet werden, indem der befristete EFSF-Rettungsschirm durch den dauerhaften ESM ersetzt wird.

Ramsauer: Für den ESM gibt es noch keinen fertigen Vertragsentwurf. Es gibt allein die Papiere aus dem Herbst. Aber offensichtlich soll Deutschland schneller Barzahlungen leisten, als bisher geplant war. Es darf nicht dazu kommen, dass die künftige Führung des ESM über hohe Summen entscheidet, ohne ausreichend vom nationalen Parlament kontrolliert zu werden.

ZEIT: Der Chef des Rettungsschirms ist der Deutsche Klaus Regling . Der hat die CSU gerade bei der Klausurtagung in Wildbad Kreuth besucht. Warum hat er Sie nicht überzeugt?

Ramsauer: Herr Regling ist ein Mann, der ein gutes ordnungspolitisches Gerüst hat. Aber er hat die Dinge etwas sehr optimistisch dargestellt. Er hat erklärt, dass wir auch daran verdienen können, wenn der Rettungsschirm Kredite vergibt. Das stimmt allerdings nur, wenn alles gut geht.

ZEIT: Der ESM braucht das grüne Licht vom Bundestag. Wie sehen Sie die Chancen?

Ramsauer: Es wird schwierig, und es wird viele Diskussionen geben, die aber notwendig sind. Schließlich geht es um Milliardenbeträge, die der Bundestag absegnen soll. Am Ende wird aber wohl der Kurs der Bundesregierung mitgetragen.

ZEIT: Die rote Linie der FDP ist die Fiskalunion. Nur wenn die kommt, wollen die Liberalen dem ESM zustimmen.

Ramsauer: Fragen Sie mal alle 620 Bundestagsabgeordneten, was sie unter einer »Fiskalunion« verstehen. Da kriegen Sie 620 verschiedene Antworten. Da wird was hingeschmissen, und keiner hinterfragt es.

ZEIT: Was verstehen Sie darunter?

Ramsauer: Eine Art verschärften Stabilitätspakt, wie den, den einst Waigel erfunden hat. Für mich bedeutet sie, dass Sündern, die sich nicht an die Regeln halten, hart hineinregiert wird. Oder dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, die Euro-Familie zu verlassen. Und sie bedeutet, dass Schuldenbremsen in die Verfassungen gehören. Da bin ich gar nicht so pessimistisch. Immerhin haben gerade in Italien und Griechenland die Regierungen gewechselt. Allein durch den Druck Europas. Das hätte es früher nicht gegeben.

ZEIT: Macht es Spaß, in dieser Koalition zu arbeiten?

Ramsauer: Und wie! Mir gibt das Getöse an anderen Schauplätzen unbeobachtete Freiheiten.

ZEIT: Zum Beispiel?

Ramsauer: Dass ich in diesem Jahr eine Milliarde mehr für Verkehrsprojekte ausgeben kann. Das ist durch die Aufgeregtheiten fast ein wenig untergegangen.

ZEIT: Welches Auto fahren Sie, Herr Verkehrsminister?

Ramsauer: Meine Frau fährt zu Hause ein typisches Familienauto, meine Töchter teilen sich einen Kleinwagen.

ZEIT: Und Sie fahren ein Elektroauto ?

Ramsauer: Nein.