Ein Popkonzert daheim in der Küche, so zwischen Spüle und Backofen? Und dann auch noch von Scooter, diesen Techno-Haudegen? Besser könnte es nicht sein, findet Marco Antonio Reyes Loredo. Der Halbbolivianer moderiert auf ZDFkultur die Sendereihe der Konspirativen Küchenkonzerte , und Scooter werden am 20. Januar gemeinsam mit dem Hamburger Künstler Stefan Marx die neue Staffel eröffnen.

Das Konzept ist so simpel wie irre: In der Küche von Reyes Loredo im struppigen Hamburg-Wilhelmsburg wird eine Band zum Musizieren und ein bildender Künstler zur Raumgestaltung gebeten, der Moderator kocht währenddessen für Band, Künstler und Publikum. Seine Gespräche mit den Gästen wirken so, als würde auf einer riesigen Hausparty jemand Fernsehinterview spielen.


Als erste freie Produktion wurden die Küchenkonzerte bereits für den Grimme-Preis nominiert, und die Süddeutsche Zeitung freute sich ob der "unbekümmerten Herzlichkeit". Tatsächlich erlebt man hier eine Wahrhaftigkeit, die sich herkömmliche Fernsehformate sukzessive abtrainiert haben. Statt Konzept herrscht der Spaß an der Freude. Manchmal kommt dabei nur belangloses Geplänkel über die jeweilige Oberbekleidung heraus. Reyes Loredo kann mit seinen Gästen aber auch ernst werden, ohne dass es bemüht wirkt. Wie geht eine Band damit um, wenn rechte Fans um Erinnerungsfotos bitten ? Und wie sieht das ein Künstler, wenn er zum neuen Keith Haring hochgelobt wird?

Immer hat man bei dieser Sendung das Gefühl, einen Menschen wirklich kennenzulernen. Es mag am ehrlichen Interesse des Moderators liegen. Vielleicht fühlen sich die Gäste in einer Küche aber einfach wohler als in einem Fernsehstudio.

Freitag, 20. Januar, 22 Uhr, ZDFkultur