Die Spa-Krise auf den Malediven ist ebenso schnell vergangen, wie sie gekommen war. Vier Tage lang hatte ein Verbot von Wellness den Inselstaat in Aufregung versetzt. Nun aber werden in den Resorts schon wieder Touristenleiber geölt, massiert und geknetet; als wäre nie etwas geschehen. "Die Urlauber können Vertrauen in unser Land haben und seine Schönheit ohne Einschränkungen genießen", sagt Sim Ibrahim, der Chef des Tourismusverbandes.

Das sah vor einer Woche noch anders aus. Da hatte die Regierung des muslimischen Landes verfügt, die Wellnessanlagen auf den etwa dreihundert bewohnten Inseln müssten sofort schließen. Eine überraschende Maßnahme, wenn man bedenkt, dass die Malediven vom Tourismus leben und der Spa-Besuch nach dem Wassersport zu den beliebtesten Zeitvertreiben der Gäste gehört.

Den vermeintlichen Grund dafür kolportierten Medien in aller Welt: Islamisten hätten die Regierung genötigt, dem unzüchtigen Treiben ein Ende zu setzen. Das klang plausibel genug. Machen nicht auch in Nordafrika immer wieder einmal Hardliner von sich reden, die den Urlaubern Bikinis oder Alkohol verbieten wollen?

Auf den Malediven allerdings liegen die Dinge komplizierter. Die Islamisten dort haben nämlich gar nichts gegen Wellness. Mohamed Shaheem, Sprecher der stramm religiösen Partei Adhaalath ("Gerechtigkeit"), klingt immer noch verstört. "Wir haben dieses Generalverbot nicht gewollt", beteuert er. "Wir würden nie etwas tun, was dem Tourismus schadet. Und medizinische Massagen gehören doch zur islamischen Kultur."

Richtig ist, dass Adhaalath und andere Oppositionsparteien am 23. Dezember in der Hauptstadt Malé eine Kundgebung gegen "unislamische Aktivitäten" organisiert haben. Die Demonstranten forderten unter anderem die Schließung von Bordellen, die angeblich als Massagesalons getarnt operieren. Um die Spas der Hotelresorts sei es nie gegangen, beteuert Shaheem. Andere gibt es aber nicht auf den etwa neunzig touristisch erschlossenen Inseln.

Der einzig denkbare Ort für zweifelhafte Etablissements wäre also Malé, die Hauptinsel, auf der die meisten Besucher kurz Station machen. Aber auch diesen Vorwurf findet Jesper Hougaard absurd. Der Däne ist Geschäftsführer der sieben Serena-Spas, die unabhängig von den Hotels in verschiedenen Resorts geführt werden. "Die Malediven sind ein Reiseziel für Paare", sagt Hougaard. "Ich würde sagen, dass sie zu den wenigen Orten zählen, wo es so gut wie keinen Sextourismus gibt." Trotzdem folgte er dem Erlass und schloss seine Anlagen.

Andere nahmen es entspannter. "Vom gesunden Menschenverstand her konnten wir uns gar nicht vorstellen, dass die das durchziehen", sagt René Egle, General Manager des Shangri-La Villingili Resort. Umgehend setzten sich die Hoteliers miteinander in Verbindung. Sie beauftragten Anwälte, zu klären, ob das Verbot rechtskräftig sei. "Wir haben entschieden, abzuwarten, bis uns eine Bestätigung der Regierung vorliegt", sagt Egle. Also ging der Betrieb in fast allen Wellnessbereichen weiter.