Die Stimme ist dröhnend und ausdauernd. Seit Minuten rezitiert Mitt Romney mit Inbrunst das Lied America, the Beautiful, beschwört die Freiheitsliebe seiner Landsleute und warnt vor der größten Gefahr für das Land: der Wiederwahl von Barack Obama und seiner "Wohlfahrtsbürokratie, wie sie die Europäer haben".

Man fragt sich ein bisschen, warum das immer wieder zieht. Aber wer noch bezweifelt, dass Romney beste Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner hat, sollte seine Kundgebungen vergleichen . Noch vor einer guten Woche verlor sich sein Publikum in den Hallen, klappten seine Helfer die leer gebliebenen Stühle zusammen und schoben eilends Stellwände herein, um die Räume zu verkleinern. Peinliche Bilder, gegen die Romney anzulachen versuchte. An diesem Abend drängen sich rund tausend Menschen in einer Schule in Exeter, New Hampshire, und wedeln mit Amerika-Fähnchen. Erfolg macht attraktiv.

Romney führt nach den ersten zwei Runden in Iowa und New Hampshire im Vorwahlkampf , er hat mehr Geld als seine Konkurrenten, seine Wahlkampfteams sind in allen 50 Bundesstaaten präsent, und seine Gegner erledigen sich selber. Laut Umfragen hat nur er, der Unternehmer und Ex-Gouverneur von Massachusetts , eine Chance gegen Barack Obama. Wichtige Parteiführer haben sich deshalb auf seine Seite geschlagen, auch Senator John McCain , der Romney 2008 aus dem Bewerberfeld warf und kein gutes Haar an ihm ließ. Bei einem der Auftritte Romneys in New Hampshire schaut er während dessen Rede gelangweilt auf die Uhr, eilt dann ans Mikrofon und preist ihn als "fähigen Mann", der anders als Obama das Zeug zum "Staatenlenker" habe. Mitt Romney ist der Favorit. Aber einer, den keiner so recht mag .

Warum, lässt sich dieser Tage im Schlepptau des Kandidaten gut beobachten. Es gibt unzählige Mitt Romneys, die politisch wie charakterlich miteinander im Wettstreit liegen. Und man fragt sich jeden Tag, welcher von ihnen morgens aufgestanden ist.

Romney, der Businessman

In Derry taucht Romney in einer Turnhalle auf und gibt den volksnahen Burschen, dessen Biografie ein wenig von der Härte des Lebens durchschimmern lässt. Wie ein Zinnsoldat läuft er mit kurzen, abgehackten Schritten auf der Bühne hin und her, die Knie fest durchgedrückt, erzählt vom eigenen "Grandpa", der mehrere Male pleiteging. Er bekennt, dass auch er selber sich schon vor dem pink slip, dem rosafarbenen Zettel mit der Kündigung, gefürchtet hat. Allerdings wüsste man von dem Sohn eines millionenschweren Managers aus der Autobranche gern, wann das gewesen sein soll.

Zwei Tage später, in der Handelskammer von Nashua, hat Romney, der Businessman, seinen Auftritt, der als Chef des Private-Equity-Konzerns Bain Capital mit der Sanierung maroder Unternehmen ein Vermögen verdient hat, schätzungsweise rund 150 Millionen Dollar. Mit weit ausholenden Armbewegungen preist er seine Verdienste bei der Schaffung von Arbeitsplätzen. "Ich weiß seit Bain, wie man für Jobs sorgt", sagt er, rattert seine Erfolge herunter und wirkt deutlich eloquenter als noch in Derry.

Doch am Morgen hat ausgerechnet das Wall Street Journal an seinem Image als "Mister Fix-it" gekratzt. Romney habe nicht nur Jobs geschaffen, heißt es in einem Artikel auf der Titelseite, sondern auch viele vernichtet. Seine Bilanz spreche jedenfalls nicht uneingeschränkt dafür, dass er am besten geeignet sei, Amerikas Not leidende Wirtschaft wieder anzukurbeln. Romney spricht von übler Nachrede. Irgendwann während seines Besuches bei der Handelskammer sagt er dann einen folgenschweren Satz: "Ich mag es, Leute feuern zu können!"