ZEITmagazin: Herr Michalsky , wie sehr hat Erfolg in der Modebranche damit zu tun, »ich« zu sagen?

Michael Michalsky: Ein gesundes Selbstbewusstsein ist hilfreich, wenn man als Modedesigner Erfolg haben möchte. Ich stehe schließlich in direkter Konkurrenz zu großen Konzernen, die 10 oder 15 Prozent ihres Umsatzes in Werbekampagnen stecken. Kleine Labels hingegen müssen durch ihren Auftritt und ihre Produkte überzeugen. Also habe ich ein sehr extrovertiertes Marketingmodell gewählt.

ZEITmagazin: Der introvertierte Designer ist schlecht vorstellbar?

Michael Michalsky: Den gab es schon auch. Extrem ist der belgische Designer Martin Margiela , von dem nie ein Foto aufgetaucht ist. Das ist das Anti-Programm – und wurde dadurch natürlich selber wieder Mode. Generell aber wird Fashion heute nicht mehr im Elfenbeinturm gemacht wie vor 30 Jahren, wo es den klassischen Couturier gab, der eines Tages sagte: Ich fühle, dass die Röcke kürzer werden – und dann war das das Modediktat. Heute wird Mode durch Musik und Jugendkultur gemacht. Nur die Designer sind erfolgreich, die diese Zusammenhänge verstehen. Ein Look als Verlängerung einer bestimmten Musik kommt aus dem Underground und findet den Weg in die Mode.

ZEITmagazin: Wie stellen Sie sicher, dass er bei Ihnen im Büro ankommt?

Michael Michalsky: Indem ich am Leben teilnehme. Einige meiner Freunde sind DJs und arbeiten rund um die Welt. Ich selbst schreibe Musikempfehlungen für ein Blog und habe die Szene seit meinen Tagen als Picker in Londoner Nightclubs nie richtig verlassen. Das alles fließt automatisch in meine Mode ein.

ZEITmagazin: Gibt es auch etwas von Ihnen, das nicht in die Marke eingeht?

Michael Michalsky: Es gibt private Bereiche, die privat bleiben sollen. Kurz nach Gründung des Labels war ich manchmal zu offenherzig, und manche meiner Äußerungen wurden missverstanden.