Es klang wie ein Supersonderangebot. »9-9-9«. So nannte der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Herman Cain seine beabsichtigte Revolution des Steuersystems . Cain musste zwar schon im Dezember des vergangenen Jahres wieder aufgeben, aber sein ambitionierter Plan hallt bis heute nach. Dreimal die neun: Neun Prozent Einkommensteuer für alle, neun Prozent Unternehmensteuer und neun Prozent Mehrwertsteuer. Seine Rivalen haben jetzt ähnliche Modelle. Rick Perry will einen Einheitssteuersatz von 20 Prozent, Newt Gingrich einen von 15 Prozent.

Derzeit liegt der Steuersatz für Unternehmen in den USA bei 35 Prozent. Genau wie der Steuersatz für Topverdiener.

Die Reformvorschläge sind allesamt Variationen der Flat Tax, eines Einheitssteuermodells, das die Ökonomen Robert Hall und Alvin Rabushka vor drei Jahrzehnten entwickelt haben. Bei privaten Haushalten soll das Arbeitseinkommen besteuert werden, bei Unternehmen sollen es Gewinne, Dividenden und Zinseinnahmen sein – alles mit einer einheitlichen Rate. Im bisherigen System werden Unternehmensgewinne zweimal besteuert: einmal beim Unternehmen und ein weiteres Mal bei den Dividendenempfängern. Im Gegenzug wollen Hall und Rabushka so gut wie alle Abschreibungen und Ausnahmen streichen, um die Steuerbasis zu verbreitern. Nur arme Haushalte bekommen einen Freibetrag.

Das wäre natürlich viel einfacher als bisher und würde vielleicht wegen seiner Transparenz auch als gerechter empfunden. Perry zieht bei seinen Reden gern eine Postkarte heraus, die angeblich ausreiche, um die Flat-Tax-Steuererklärung zu machen. Dan Mitchell, Steuerexperte beim konservativen Cato Institute, hofft auf Anreize für die Wirtschaft.

Skeptiker warnen aber, dass eine Flat-Tax in Wahrheit die extreme Einkommensschere noch weiter auseinanderklaffen ließe. Das Einkommen des reichsten einen Prozents der US-Haushalte hat sich binnen drei Jahrzehnten mehr als verdreifacht. Und die Wohlhabenden beziehen den Großteil ihres Einkommens aus Kapitalerträgen und nicht aus Gehältern – private Kapitalerträge würden jedoch bei fast allen Flat-Tax-Plänen steuerfrei bleiben.