Dass Möbel und Mode zusammengehören, ist eine relativ neue Sichtweise. Auf den ersten Blick haben die beiden nicht viel gemeinsam: Modedesigner interessiert das Jetzt, Möbeldesigner das Immerwährende. Modedesigner schaffen Dinge, die in wenigen Monaten ihre Gültigkeit verlieren, Möbeldesigner wollen Dinge schaffen, die ihre Kunden im Idealfall ein ganzes Leben lang begleiten. Modedesigner kleiden sich gerne unmodisch aus Koketterie, Möbeldesigner kleiden sich unmodisch, weil sie sich nicht für Mode interessieren. So wirkten auch die ersten Versuche, mit Möbeln Mode zu machen, etwas ungeschickt – etwa, als Versace vor ein paar Jahren die erste Home-Kollektion vorstellte. Ein Versace-Sessel sah so aus, als wolle er auf dem Laufsteg mitlaufen. Aber das ist nicht unbedingt das, was man von einem Sessel erwartet.

Mittlerweile haben etliche Modelabels eine eigene Home-Kollektion. Armani Casa pflegt bei den Möbeln eine ähnlich kühle Zurückhaltung wie bei Kleidung, Bottega Veneta verwendet bei den Möbeln die kunstvollen Flecht-Elemente seiner Ledertaschen. Möbel und Mode zusammenzubringen bleibt aber schwierig: Wenn Möbelstücke nichts anderes mit der Mode gemein haben als die Marke, wirken sie beliebig. Wenn sie jedoch zu augenfällig das Design der Kleider aufgreifen, verlieren sie ihre Eigenständigkeit.

Nun ist auch die Pariser Luxus-Marke Hermès in das Möbelgeschäft eingestiegen . Im Februar wird in München ein Showroom eröffnet. Die Franzosen setzen auf Namen, die bereits selbst Design-Geschichte geschrieben haben. Und kombinieren dies mit exklusiven Materialien, vor allem natürlich mit feinem Leder. So entstanden Stücke, die nicht wie Fremdkörper im Hermès-Portfolio aussehen, aber dennoch für sich stehen können. Mit dabei ist eine Wiederauflage einiger Entwürfe des Franzosen Jean-Michel Frank aus den zwanziger und dreißiger Jahren.

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Auch zeitgenössische Gestalter konnte Hermès für sich gewinnen, etwa die italienische Legende Enzo Mari und den Designer Antonio Citterrio. Produziert wird alles von der italienischen Traditionsmarke B&B Italia . So entstanden Modelle, die für sich genommen keine Design-Revolutionen sind, aber so aussehen, als habe es sie schon immer gegeben. Und mehr kann man von einem Möbelstück kaum erwarten.