Nun habe sie, sagt die Philosophin Ágnes Heller, zwei totalitäre Systeme überlebt, den Nationalsozialismus und den Stalinismus, da mache ihr der allerneueste Versuch, die Demokratie in Ungarn zurückzudrängen, keine Angst. Sie fürchte sich nicht, sie sei nur empört. Darüber, dass Ungarn mit Viktor Orbán einen Populisten als Ministerpräsidenten hat . Darüber, dass dieser mit seiner Partei Fidesz eine neue Verfassung verabschiedet hat, mit der die "Republik Ungarn" in "Ungarn" umbenannt wurde. Mit der die Kompetenzen des Verfassungsgerichts eingeschränkt wurden. Mit der man die Unabhängigkeit der Notenbank ausgehebelt hat. Mit der Christentum, Liebe und Glaube zu unverrückbaren Bestandteilen des ungarischen Nationalcharakters deklariert wurden. Mit der ein Geschichtsbild festgeschrieben wurde, das sich letztlich am autoritären Regime des Reichsverwesers Miklós Horthy orientiert, der für seine antisemitische Gesetzgebung berüchtigt war.