Es geht diesmal um alles, das ist Jane Cohan klar. Vom 3. bis zum 8. Februar findet die Online-Kunstmesse VIP Art Fair zum zweiten Mal statt. Wer mit der New Yorker Mitbegründerin Jane Cohan, 50, in diesen Tagen vor der Eröffnung spricht, der merkt, wie angespannt sie ist. Sie ist sich des Risikos bewusst: Läuft alles gut, gibt es eine ernsthafte Chance, dass sich die VIP Art Fair langfristig auf dem Kunstmarkt etabliert. Floppt sie dieses Jahr erneut, ist das Projekt endgültig am Ende.

Die Premiere im vergangenen Januar war ein Desaster. Die VIP Art Fair wollte neue Märkte in aufstrebenden Ländern erschließen – »der weltweite Reichtum hat zugenommen«, sagte Jane Cohan damals im Interview. Man wollte daher eine jüngere Zielgruppe erreichen, Anfahrtswege zu Kunstmessen überflüssig machen, vom Kunstshopping in fernen Zeitzonen und im Pyjama war die Rede. Die VIP Art Fair wollte die erste Kunstmesse im Internet sein, bei der handverlesene Galerien gemeinsam ihre Werke zum Kauf anbieten – in einer Umgebung, die der einer echten Kunstmesse nahekommt. Es war eine Weltpremiere.

Die renommiertesten internationalen Galerien hatten sich auf der Homepage einen Messestand reserviert und digitale Fotos ihrer Kunstwerke in dem virtuellen Raum aufgehängt, darunter viel Erstklassiges wie ein Gemälde von Francis Bacon . Dann warteten die Galerie-Mitarbeiter vor ihren Rechnern darauf, dass Interessenten im Chatroom auftauchen – doch die blieben aus. Der Server der Onlinemesse war überlastet. Ausgerechnet.

Die Galerien waren brüskiert, die Gründer blamiert. Jane Cohan und ihr Ehemann James Cohan, ein Galerist, hatten die Idee zu der Internetmesse gemeinsam mit dem befreundeten Internet-Unternehmerpaar Jonas und Alessandra Almgren. Zwar funktionierte nach zwei Tagen dann doch noch alles – die Veranstalter wollen 40.000 Besucher gezählt haben –, aber der erste Eindruck war dahin, das Fanal vermasselt. Der Bacon blieb hängen.

Jane Cohan sagt, sie sei »wahnsinnig enttäuscht« gewesen. »Aber wir haben auf die Messe auch so viel positives Feedback bekommen, dass wir die VIP Art Fair unbedingt noch einmal veranstalten wollten.« Es ist die New Yorker Art zu sagen, dass man nicht aufgibt. Vielleicht auch, dass man nicht aufgeben kann. Für Jane Cohan und James Cohan von der etablierten James Cohan Gallery in Manhattan geht es um nicht weniger als ihre Reputation in der internationalen Kunstszene. »Wir fühlten eine professionelle Verpflichtung, die Leute, die uns vertraut haben, nicht im Stich zu lassen«, so drückt es Jane Cohan aus.

Anstatt aufzugeben, gibt es nicht nur eine zweite Auflage der VIP Art Fair, die Marke soll mit einer VIP Paper im April, spezialisiert auf Papierarbeiten, einer VIP Photo im Juli und einer VIP Vernissage im September sogar noch ausgebaut werden. »Wir haben radikal umgebaut«, sagt Jane Cohan. Die Techniker wurden gefeuert und durch ein größeres und erfahreneres Team ersetzt, es gibt nun mehr Server als im Vorjahr; bei einer drohenden Überlastung können die zugeschaltet werden. Als Geschäftsführerin setzten die Organisatoren eine Harvard-Absolventin ein, die nach Angaben der VIP Art Fair in ihrer vorherigen Firma den Umsatz verzehnfachte. Dazu kamen auch die Kunstsammler Philip Keir und Selmo Nissenbaum, die eine Million Dollar investieren.

Um die wertvollen Geschäftskontakte zu erhalten, entschieden Jane Cohan und ihre Mitstreiter sich, die Hälfte der Teilnahmegebühr vom vergangenen Jahr an die Galerien zurückzuzahlen. Ein Messestand kostete je nach Größe und Standort bis zu 20.000 Dollar, umgerechnet rund 15.000 Euro. 139 Galerien nahmen teil.