Meine erste Begegnung mit Peter Berling fand in den neunziger Jahren im Privatfernsehen statt. Da saß ein stattlicher Kardinal auf einem Sofa, neben sich ein großes Teleskop, und sprach über die Macht der Gestirne. In den Einblendungen stand: "Kardinal Carlo Carrà, Chefastrologe des Vatikans ". Dieser Chefastrologe sprach mit der größten Ernsthaftigkeit vom Wechselspiel zwischen den Planetenkonstellationen und der Weltgeschichte, und er bediente sich dafür einer überaus scholastischen Nomenklatur. Dann wurde er unterbrochen durch die Stimme eines Gesprächspartners, den man nicht sah und der Fragen stellte. Diese Fragen waren ziemlich verwickelt und doppelbödig und stachelten den Kardinal zu immer kühnerer und originellerer Thesenbildung an, um den Zusammenhang zwischen Kometeneinschlägen und dem Jüngsten Gericht zu erhellen. Das Gespräch war eine Mischung aus glasklarer Logik und völliger Verstiegenheit. Kognitive Dissonanz würde man die Verwirrung heute nennen, die mich damals erfasste. Mit dem gesunden Menschenverstand war das nicht zu verkraften. Sah ich gerade einen Historienfilm oder doch ein reales Interview? Irgendetwas stimmte hier nicht – aber gleichzeitig war eine mögliche Welt denkbar, in der dieses Gespräch als vollkommen rational und konsistent hätte gelten können.