Und Frau Apfel engagiert sich in Kauders Pfarrei. Etwa im Kinder-Liturgiekreis, wo sie hilft, Familiengottesdienste vorzubereiten. Neulich hat sie Plätzchen gebacken, mit dem Nachwuchs der Gemeinde. Ein Telefonat also mit ihr: Rechtsextremismus und Kirche – wie passt das zusammen, Frau Apfel? "Warum sollte das nicht passen?", fragt sie. "In der Kirche werde ich als Mensch akzeptiert. Dort handeln die Leute aus Nächstenliebe."

Eine Crux ist das für Kauder – was tun, wenn Menschenfeinde Nächstenliebe einfordern? Verweigern kann er sie ihnen nicht, auch wenn das vieles leichter machte. Was soll, das ist die Frage, eine Kirche tun, wenn ihr Rechtsextreme angehören?

"Darf man Nazis konfirmieren?", so hieß ein Planspiel auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden 2011. Ausgerichtet war es von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus . Mutig stritt die Runde, eine Antwort war kaum zu finden. Am Ende stand ein: "Ja. Aber..."

Und was sagt Pfarrer Kauder? Darf man Nazis etwa firmen? "Ja!", ruft er entschlossen. "Natürlich! Es ist unsere Profession, dass wir uns um die Menschen kümmern. Auch Apfels muss ich die Türe öffnen." Die Apfels hier zu haben, das sei doch Last und Chance zugleich.

Theologisch ist die Sache klar. Nicht bloß für Kauder gilt das Wort: Weise den Sünder nicht ab. Weise ihm den Weg! Die Frage ist, wie man das praktisch macht. "Da wird das Christsein zum Knochenjob!", sagt Kauder.

Er könne die Apfels nicht aus der Kirche werfen. "Und ich will es auch nicht tun. Dass wir die NPD beschissen finden, wissen wir. Dass wir den Apfel dulden müssen, wissen wir aber auch." Die Rechten zu verbannen könne keine Lösung sein.

Die eine Frage, sagt Kauder, habe er den Apfels schon öfter gestellt: "Eure Ideologie ist menschenverachtend. Wie kriegt ihr das mit dem Glauben zusammen?" Eine Antwort hätten sie nicht gefunden. "Sie fingen an, zu lavieren. Sie werden in meiner Gegenwart und überhaupt im Kirchenkreis auch nie rassistisch reden. Die sind aalglatt. Darauf trainiert, sich immer herauszuwinden."

Sie müsse, sagt Jasmin Apfel dazu, eben sehr darauf achten, was sie in der Gemeinde sage. "Um den Kindern nicht zu schaden."