Ganz fahrerlos sind vielerorts die U-Bahnen unterwegs, Autopiloten lenken Flugzeuge. Unbemannte Fluggeräte (Drohnen) verändern die moderne Kriegsführung. Die Integration elektronischer Assistenzsysteme in autonom operierende Computerprogramme führt zu autonomen Maschinen, die Teile unserer Welt schon unter ihrer Kontrolle haben.

Nur ausnahmsweise sehen sie aus wie die Roboter unserer Fantasie – etwa wenn in Japan erste Serviceroboter im Altersheim Medikamente verteilen. Oder wenn autonom umherstreifende Roboter teures und unzuverlässiges Wachpersonal ersetzen. Schon die knappe Auswahl dieser Beispiele zeigt, auf wie viele Felder des Alltags sich die Robotisierung erstreckt.

Seit die ersten Roboter "freigelassen" werden, interessiert sich die Industrie auch für die Folgen von Kollisionen zwischen Mensch und mobiler Maschine. Wie Kollege Mensch und Kollege Roboter künftig kooperieren, lässt sich heute bereits besichtigen: So testet Daimler ein Montageband, an dem der Werker Hand in Hand mit Robotern arbeitet. InCarRob heißt der mobile Helfer, der im Auto beim Fixieren des Armaturenbretts hilft. Auch den Kantenschutz an der Tür bringt der Mensch nur in Position, der InCarRob montiert.

Solche rechnergesteuerten Kollegen, die Arbeitern hilfreich auf die Pelle rücken, nennt man nach dem englischen Fachbegriff "kollaborative Roboter". Sie werden den Arbeitsalltag verändern. Neben den Juristen gehören die Versicherer zu den Ersten, die darauf reagieren.

Soll sich der Roboter "menschlich" bewegen – oder eben gerade nicht?

St. Augustin bei Bonn, Zentrale der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Der Spitzenverband der Berufsgenossenschaften, bei denen alle deutschen Unternehmen zwangsversichert sind, erforscht auch Gefahren am Arbeitsplatz. Im Institut für Arbeitsschutz (IFA) sind kollaborative Roboter seit einiger Zeit ein wichtiges Thema. Üblicherweise beschäftigt sich das IFA mit schädlichen Dämpfen, denen Dachdecker ausgesetzt sind, mit Partikelemissionen von Laserdruckern oder den geschundenen Knien der Fliesenleger. Nun aber wird gefragt: Wie reagiert der Mensch auf Blechkameraden, die ihm zum Beispiel Dinge reichen?

Ein virtueller Arbeitsplatz simuliert eine solche Kooperation: Durch eine 3-D-Brille sieht man hier einen etwa mannshohen Roboterarm, der in ein Regal langt, eine Kiste hervorholt und dem Bediener dabei scheinbar bedrohlich nahe kommt. Wie schnell darf er sich bewegen, ohne den Kollegen Mensch zu erschrecken? Ist ein eher "menschlicher", runder Bewegungsverlauf für den Arbeiter angenehmer und ein zackiges, "maschinelles" Verhalten angsteinflößend – oder umgekehrt? Soll sich die Maschine an humane Bewegungskonventionen halten, um berechenbar zu bleiben – oder eben nicht? Und macht es einen Unterschied, ob sich ein knallroter Metallgreifer nähert oder ein beruhigend grüner?

Weniger um Psychologie, mehr um Technik geht es ein paar Laborräume weiter. Dort "arbeitet" ein klassischer, über zwei Meter großer Knickarmroboter mit Greifer. Er ist nicht, wie sonst üblich, durch Gitter vom Bedienpersonal getrennt. Sein schwerer, scharfkantiger Arm kann sich erschreckend schnell bewegen, sein zerstörerisches Potenzial ist offensichtlich. Statt Gittern wird hier ein unsichtbarer Schutz erprobt. Den bieten zahlreiche Sensoren am Arbeitsplatz und am Roboter – Infrarot-, Ultraschall-, Lasersensoren. Nähert sich jemand der Maschine, wird sie zahm und bewegt sich nur noch wie in Zeitlupe.

Sie kann auch so programmiert werden, dass sie bei Gefahr sofort innehält. Die eindrucksvollste Art der Kollisionsvermeidung erlebt der in den Arbeitsbereich eindringende Besucher, wenn der Roboter mit einer Art sensorischer Aura ausgestattet ist. Dann arbeitet er einfach weiter und weicht dem Menschen flexibel und geradezu elegant aus.

Trotz solcher technischer Vorkehrungen bleibt ein Risiko, frei von Remplern wird die Zukunft nicht sein. "Welches Risiko akzeptabel ist, entscheidet die Gesellschaft", sagt Michael Huelke, der am IFA das Referat "Neue Technologien, Mensch und Technik" leitet. Bekanntlich akzeptieren die Leute ja ein relativ hohes Verletzungsrisiko im Straßenverkehr und im (Abenteuer-)Urlaub. Am weniger freiwillig aufgesuchten Arbeitsplatz liegt ihre Toleranzschwelle viel niedriger.

Die Geschichte der Zwischenfälle zeigt, dass Roboter durchaus verheerend zulangen können. Selbst eingezäunte Greifarme müssen gereinigt, gewartet und neu programmiert werden, und dabei haben sich auch immer wieder Unfälle ereignet. Das US-Institut für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (NIOSH) registrierte am 21. Juni 1984 den ersten tödlichen Vorfall. Damals wurde ein Arbeiter totgequetscht, als er einen Roboter säubern wollte.

In Schweden packte 2007 ein Roboter – statt wie üblich schwere Steine – den Kopf eines Arbeiters, der dadurch verletzt wurde. Unlängst bohrte im österreichischen Feldkirch ein Roboter einem Arbeiter ein Loch in den Arm. Und in einem Aschaffenburger Heizkraftwerk wurde ein Mensch gefährlich verletzt, als ihn ein Verpackungsroboter auf die Brikettieranlage warf. Seit das Militär Kampfroboter einsetzt, gab es immer wieder auch heikle Situationen in den eigenen Reihen. In Südafrika starben 2007 gar bei einer Übung zehn Soldaten, als eine computergesteuerte Kanone plötzlich zu ihnen herumschwenkte und ihr Magazin verschoss.