Zwei harmlose Buchstaben beherrschen den Streit um Startbahnen und Flugbewegungen im stadtnahen Luftraum: d und B. Das Kürzel dB steht für Dezibel, für den bewerteten Schalldruckpegel oder schlicht für die Stärke von Lärm. Die Frage ist: Wie viel Krach erträgt der Mensch?

Ausschlaggebend für die Wirkung des Lärms auf den Körper sind drei Qualitäten des Schalls: Wie gleichmäßig ist der Lärm verteilt? Wie lange dauert er an? Wie stark ist er? "Gleichmäßige Geräusche, etwa das Rauschen von Straßenverkehr, blendet das Gehirn aus", sagt Thomas Penzel vom Virtuellen Institut zur Lärmwirkungsforschung an der Berliner Charité . Die Körperreaktionen sind gering.

Doch wenn die Lautstärke steigt, erwacht das Stresssystem. Cortisol wird ausgeschüttet und gelangt in die Blutbahn. Der Blutdruck steigt, ebenso die Herzfrequenz.

Menschen bewerten Lärm sehr unterschiedlich. "Die einen verbinden damit ihren Urlaub auf Mallorca , die anderen erinnert er an den Wertverlust ihres Hauses", sagt Thomas Penzel. Die individuelle Bewertung hat direkten Einfluss auf die Körperfunktionen. Ist der Lärm positiv besetzt, reagiert der Körper gelassener. Dem Flughafenhasser indes treibt der Lärm den Blutdruck in die Höhe.

Selbst im Schlaf reagiert der Körper auf Lärm. Das Ohr hat kein Ohrenlid, das sich schließen könnte, es hört immer mit. Umso dringlicher stellt sich die Frage: Ab wann schadet Lärm der Gesundheit?

An diesem Punkt kommen die dB ins Spiel – oder besser die dBA, der Schallpegel, auf den besonders Menschen reagieren. Das Fluglärmgesetz erlaubt in der Nacht 55 dBA Dauerlärm, am Tag 65 dBA. Oberhalb dieser Werte, das zeigt unter anderem eine Studie von Wolfgang Babisch vom Umweltbundesamt, ist die Gesundheit in Gefahr. Dann steigt deutlich das Risiko, dass sich der Blutdruck erhöht, und damit steigt auch das Risiko, dass sich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt. "Ein negativer Effekt auf die Gesundheit ist aufgrund der umfangreichen Datenlage gesichert", sagt Babisch.