Die bislang einzige Chance für erwachsene Krebspatienten, nach Abschluss ihrer Therapie zuverlässig und lebenslang medizinisch betreut zu werden, ist die Aufnahme in eine wissenschaftliche Studie. So erforscht die Deutsche Hodgkin-Studiengruppe in Köln schon seit 1978 die Therapiemöglichkeiten von Morbus Hodgkin. Über 14.000 Patienten haben teilgenommen; 400 Krankenhäuser und Facharztpraxen beteiligen sich. Etwa 40 Prozent aller Neuerkrankten werden heute – zu ihrem eigenen Glück – Studienteilnehmer.

Vielleicht werden sich alle anderen irgendwann an ein offizielles Nachsorgezentrum wenden können. Wie ein deutsches Survivors Center aussehen könnte, deutet sich am Universitären Cancer Center Hamburg (UCCH) an. An dem von der Deutschen Krebshilfe anerkannten "Onkologischen Spitzenzentrum" wird soeben zusammen mit sieben Kliniken und acht Facharztpraxen das Forschungsprogramm Cancer Survivorship (Krebs-Überleben) etabliert. Es geht um die Bedürfnisse von Langzeitüberlebenden "aus psychoonkologischer, präventiver, sozialer, medizinischer und komplementärmedizinischer Sicht".

Als Ziel nennen die UCCH-Mediziner, ihren Patienten "das Gefühl des Verlorengehens auf dem Weg vom Krebspatienten zum Krebsüberlebenden in Zukunft zu ersparen". Schöner hätte Ulla Gösch ihren Wunsch nicht formulieren können.

Um so eine zuverlässige Langzeitbetreuung einzuführen, mangelt es allerdings – nicht nur in Hamburg – am Geld. Etwa wenn ein Hilfesuchender auf eine jahre- oder gar lebenslange Betreuung hofft und seine Krankenkasse nur die ersten drei Termine bezahlen will. Danach wird dann privat liquidiert.

Den einzigen für erwachsene Patienten derzeit fassbaren, ja anfassbaren Fortschritt stellt eine kleine, bescheidene Broschüre in Ringheftung dar, die in der Kinder- und Jugendabteilung des Uni-Klinikums Erlangen erstellt wurde. Ihr Titel: Vorsorgen durch Nachsorgen.

*Name von der Redaktion geändert

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