Es wird Zeit, dass wir die Männer-sind-so-und-Frauen-sind-so-Debatte beiseite legen und uns auch einmal über den Überfluss und Überdruss unterhalten. In der Generation der 30- bis 40-Jährigen findet sich doch wirklich jeder, jede und alles, je nach Milieu, Bildung, Herkunft, Wohnort. Wer es nicht glaubt, schaue sich um. Es gibt Musikklubs, die nach Musikrichtungen unterteilt sind, es gibt Restaurants, die nur Knoblauchgerichte oder milchfreie Speisen anbieten, es gibt Boutiquen, die für schwangere Frauen ausgerichtet sind, und Kaufhäuser, die ausschließlich Geringverdiener im Blick haben, es gibt Spartenfernsehen, Spartenradio, Spartenbuchhandlungen, Spartenkontaktbörsen, es gibt Treffpunkte für Menschen, die niemanden zum Kuscheln haben und Kuschelkurse mit Fremden buchen können, es gibt Swingerclubs mit Saunalandschaft und Bordelle, die wie gynäkologische Praxen aussehen. Die Konsumwelt orientiert sich an den Bedürfnissen der Konsumenten. Die Produkte zeigen nicht, wer und wie wir sind, sondern wie unterschiedlich und vielfältig es unter uns zugeht. Das Überangebot führt allerdings dazu, dass man mit seiner persönlichen Checkliste loszieht: "Wie soll er aussehen, passt er zu meinen Lebensmittelunverträglichkeiten und den Haustieren, wie viele Kinder und Ehefrauen darf er höchstens alimentieren? Wie präsentiert er sich bei Facebook, wie groß, wie dick ist er? Nein, nicht schon wieder einer mit Schuppenflechte, mit dem Letzten musste man auch schon auf gemeinsame Schaumbäder verzichten, und wenn man etwas liebt, dann Schaumbäder..." Allzu verständlich, dass der durch Überfluss verwöhnt Suchende seine Kriterien nicht ausgerechnet bei der Partnerwahl einschränken wird. Also macht man sich auf die Suche nach dem Richtigen, der zum richtigen Zeitpunkt alles richtig macht. Wenn Männer alles prima können, Geld verdienen, renovieren, sich um die Verhütung kümmern, Parfum benutzen, kann es nur noch an Details scheitern. Dann geht es nur um Melancholie, Ratlosigkeit, Nervosität und so. Wer Herrn Optimal und Fräulein Perfekt nicht findet, der schraubt nicht etwa seine Kriterien herunter, sondern verzweifelt gleich grundsätzlich. Wer so tickt, ist kein Mensch, sondern eine Suchmaschine.

Nina Pauer möge diesen Beitrag bitte als schwesterliche Ergänzung verstehen. Eigentlich klang aus ihrer Klageschrift die uralte, simple Sehnsucht der Frauen nach Eroberung. Würden wir uns im Biedermeier befinden und höhere Töchter sein, wo erstmals in der deutschen Geschichte die Partnerschaft auf freiem Willen, also auf Liebe basierte und nicht mehr auf Besitz und Arbeit, säßen wir in einem literarischen Salon und würden der Autorin beim Vortrag eines romantischen Gedichtes lauschen. Die moderne Frau von heute aber gießt ihre Wünsche ans andere Geschlecht in Feuilletonbeiträge. Früher hätten Männer dann einen kleinen Blumenstrauß oder ein Amulett geschickt; zur Vorbereitung, um bei allernächster Gelegenheit das Fräulein bei einem Spaziergang im Teepavillon vom Gegenteil zu überwältigen, pardon, zu überzeugen. Der moderne Mann von heute schickt keine Pralinen, er kontert mit einem Essay. Ist es schade, ist es schlecht? Nein, es ist unterhaltsam. Weitermachen!