Die Entscheidung, nach Nairobi zu gehen, traf Chang Lei nach einer zufälligen Begegnung mit ihrer Mutter in einem Pekinger Park. "Das war an einem Freitagnachmittag, als ich von der Arbeit kam", erzählt die zierliche Chinesin. "Meine Mutter stand am Weg und hielt ein Plakat hoch: ›Suche Mann für meine Tochter‹."

Da sei ihr klar geworden, dass sie mal wegmüsse von ihren Eltern, raus aus China. "Als 30 Jahre alter Single war ich meiner Mutter peinlich", sagt Chang Lei und schüttelt lächelnd die dichte Pagenkopf-Frisur. Sie ergriff die einzige Chance, als Reporterin des chinesischen Staatsfernsehens außerhalb Chinas zu arbeiten: Ihr Arbeitgeber China Central Television, kurz CCTV, suchte Leute für einen neuen Standort in Nairobi. "Ich wusste vorher nicht, dass es ein Land gibt, das Kenia heißt", sagt sie.

Heute, gut acht Monate nach der Begegnung im Park, sitzt Chang Lei vor einer Wand aus flimmernden Bildschirmen in der neu gebauten Regie der CCTV-Africa-Sendezentrale. Um sie herum wuseln zwei weitere, fast kindlich aussehende Chinesinnen, kleben Merkzettel mit chinesischen Schriftzeichen und der englischen Übersetzung auf Schreibtische, nebenan im Studio schieben zwei im Vergleich riesig wirkende Afrikaner die letzten Teile der Studiodekoration an ihren Platz.

Kommende Woche soll es losgehen – täglich eine Stunde live wollen die Chinesen von Nairobi aus senden, sieben Tage die Woche. 60 Minuten Nachrichten für Afrika aus dem chinesischen Blickwinkel, samstags und sonntags zusätzlich eine Talkshow und eine Dokumentation. Es ist der Beginn der medialen Eroberung Afrikas: Wenn alles gut läuft, erklärt die Journalistin Chang Lei, wird sich von hier aus bald ein chinesisches Korrespondentennetz über den Kontinent spannen.

Drei der Korrespondenten hatten ihre Heimatstadt noch nie verlassen

Chinas mächtiger Staatssender hat ein junges, nicht sehr erfahrenes Team nach Afrika geschickt: Chang Lei, 30, ist die Zweitälteste, die meisten sind Mitte 20, manche kommen gerade von der Universität. Keiner von ihnen hat eine journalistische Ausbildung erhalten, die meisten haben nur ein Jahr Praxis als Redakteur in der Pekinger Sendezentrale. Der Flug nach Nairobi war für fast alle die weiteste Reise ihres Lebens. Drei der neuen Afrika-Korrespondenten haben Peking überhaupt zum ersten Mal verlassen.

Chang Lei zählt zu den wenigen Freiwilligen. Viele ihrer Kollegen wurden ungefragt versetzt. "So schön wie in China ist es hier natürlich nicht", sagt sie. Der Arbeitsplatz in Nairobi gilt zudem nicht als Sprungbrett für einen der begehrten Posten in der Pekinger CCTV-Zentrale. Der Wunsch nach einer Dependance kam wohl mehr von der Pekinger Regierung als aus der CCTV-Leitung, die das Unternehmen Afrika eher zögerlich begonnen hat.

Einige der neuen Afrika-Korrespondenten hatten noch sieben Tage vor ihrem Abflug im November kein Ticket und wussten nicht, ob sie tatsächlich nach Afrika gehen und wann. Diese Personalpolitik der letzten Minute hat den Start von CCTV Africa um einen Monat verzögert – eigentlich hätte schon im Dezember gesendet werden sollen.