Der Zeitunterschied von fünf Stunden zwischen Peking und Nairobi wird die Arbeit der Zensoren in Afrika erschweren, da sie sich nicht in allen Fällen mit den CCTV-Bossen abstimmen können. So besteht eine gewisse Chance, dass es über die Sendungen aus Nairobi auch Themen ins Programm von CCTV News schaffen, die dort sonst nicht erlaubt sind. In Probesendungen vor dem Start haben die jungen chinesischen Journalisten in Nairobi einige kritische Beiträge über die Gewalt des syrischen Regimes gegen das eigene Volk produziert. Im chinesischen Fernsehen wird dieses Thema bisher allenfalls am Rande erwähnt.

Ohnehin bietet Kenia den Neuankömmlingen ungekannte Freiheiten, das unzensierte Internet zum Beispiel. "Das Netz ist hier so schnell, wie es zu Hause nie sein wird", hat ein chinesischer Journalist erstaunt festgestellt. "Und es hat auch viel mehr Websites zu bieten. Die Nachrichtenauswahl ist so viel größer als in China! CNN, BBC, das Programm der französischen Sender, das alles habe ich noch nie zuvor so gesehen!"

Westliche Sender sind in der Volksrepublik offiziell nur in internationalen Hotels zu sehen. Und noch etwas ist anders in Nairobi: Während chinesische Journalisten zu Hause fast nie Kontakt mit westlichen Reportern haben, kann in Afrika niemand verhindern, dass sie mit Kollegen zusammentreffen, deren Arbeit nicht zensiert wird. Das könnte das schlechte Bild, das viele Chinesen von westlichen Medien haben, verändern. "Ich habe neulich sogar schon einmal mit einem französischen Reporter gesprochen!", erzählt eine junge chinesische Journalistin, und es klingt fast so, als ob sie eine Mutprobe bestanden hätte. Der Kollege sei sogar ganz nett gewesen.

Nach dem ersten Kulturschock lockern außerdem die afrikanischen CCTV-Journalisten die Stimmung im Sender auf: Armdrücken zwischen Chinesen und Afrikanern war das beliebteste Spiel auf der Eröffnungsfete der Sendezentrale. Vielleicht wird CCTV Africa das Profil des chinesischen Staatsfernsehens auf eine Art verändern, an die man in Peking nicht gedacht hatte.